21.02.2019 Mit baulichen Massnahmen die Bewegung im Alltag fördern

Nachhaltige Raumentwicklung. Wachsende Bevölkerung, wachsende Mobilität, wachsende Ansprüche an die Freizeitgestaltung – all dies hat Auswirkungen auf die Raumentwicklung. Mit den «Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung» soll die Lebensqualität verbessert und auch die Gesundheit der Menschen gefördert werden.

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Modellvorhaben Sursee-Mittelland: Die Raumentwicklung so gestalten, dass genügend Raum für Bewegung bleibt.

Viele Schweizer Dörfer und Städte wachsen stetig und breiten sich in die Landschaft aus. Um der Zersiedelung Einhalt zu gebieten, wird deshalb vermehrt verdichtet gebaut. Dennoch sollen Dörfer und vor allem städtische Gebiete lebenswert bleiben oder idealerweise sogar noch aufgewertet werden, etwa mit zusätzlichen Grünflächen. Das verlangt nach innovativen Ansätzen und grenz- beziehungsweise amtsübergreifender Zusammenarbeit.

Seit dem Jahr 2002 führt das Bundesamt für Raumentwicklung (ARE) die «Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung» durch. In der ersten Phase (2002–2007) lag der Fokus auf der Zusammenarbeit in Agglomerationen. In der zweiten Phase (2007–2011) standen Themen wie nachhaltiger Tourismus oder Nutzen-Lasten-Ausgleichssysteme im Zentrum. In der dritten Phase (2014–2018) lag der Fokus unter anderem auf der Freiraumentwicklung in Agglomerationen, weshalb die Bundesämter für Strassen (ASTRA), Gesundheit (BAG), Sport (BASPO) und Wohnen (BWO) ins Boot geholt wurden. Denn um eine integrale Freiraum-entwicklung zu erreichen, sind Langsamverkehr, Sport und Bewegung wichtige Bereiche. «Wir suchten das Gespräch mit den zusätzlichen Ämtern, da wir die Themen für die Zusammenarbeit wichtig fanden», so Melanie Butterling, Programmkoordinatorin der «Modellvorhaben Nachhaltige Raumentwicklung».

In der dritten Phase ging es um bewegungsfreundlichere, aber auch sicherere Freiraumentwicklung. Das BAG empfiehlt für Kleinkinder drei Stunden Bewegung am Tag, für Schulkinder und Jugendliche mindestens eine Stunde pro Tag sowie für Erwachsene entweder zweieinhalb Stunden Bewegung pro Woche in mittlerer Intensität oder halb so viel Zeit Bewegung in hoher Intensität.

Aber wie kann via Raumentwicklung mehr Bewegung in den Alltag gebracht und zugleich die Strassensicherheit erhöht werden? Die Kinder sollen beispielsweise draussen spielen können, ohne zunächst lange Wege zurücklegen zu müssen. Sind die Wege dennoch lang, so sollen sie wenigstens so sicher wie möglich gestaltet sein. Insgesamt 31 solcher Modellvorhaben wurden mit rund 3,4 Millionen Franken gefördert und von Kantonen, Gemeinden, Unternehmen, Verbänden und weiteren regionalen Akteuren umgesetzt.

Innovation und Pioniergeist
Modellvorhaben sind vor allem kreative, teils gar experimentelle Projekte, bei denen Innovation und Pioniergeist gefragt sind. Nicht alle Projekte werden zu 100 Prozent umgesetzt – doch durch deren Planung und Ausarbeitung lernen die beteiligten Stellen und Ämter, wie die Zusammenarbeit aussehen könnte. Stellvertretend werden an dieser Stelle einige Modellvorhaben der dritten Phase präsentiert.

Metropolitanraum Zürich: In der Pilotregion Regio Wil bestand das Ziel darin, Erholungsräume einer breiten Bevölkerung innert 15 Minuten zu Fuss oder per Velo sicher erreichbar zu machen. So wollten die Projektverantwortlichen den motorisierten Freizeitverkehr verringern, die Lebensqualität in der Agglomeration verbessern und darüber hinaus die Bewegung und damit auch die Gesundheit der Menschen fördern. Zudem erarbeitete man Massnahmen, mit deren Hilfe sich die Naherholungsgebiete über das Velo- und Wanderwegnetz besser erschliessen lassen. In der Pilotregion Luzern Ost versuchte man, die Interessen von Fuss- und Veloverkehr sowie von Veloverkehr und Naturschutz unter einen Hut zu bringen, um sichere Zugänge zu den Naherholungsgebieten und attraktive Fussgänger- und Veloverbindungen durch das Rontal zu schaffen.

Bewegungsfördernde Räume in Winterthur und Dübendorf: Für die zukünftige Siedlung Werk 1 auf dem ehemaligen Sulzer-Industrieareal konnten dank des Modellvorhabens Nutzerinteressen und -bedürfnisse in die Planung miteinbezogen werden. Auf Initiative des Modellvorhabens und des Sportamts Winterthur will die Stadt Winterthur nun einen urbanen Bewegungs- und Fitnessparcours einrichten. Bewegung und Sport als Schlüsselthemen bei der Stadt-planung sind dabei ein absolutes Novum.

Sursee-Mittelland: Hier arbeiteten Regionalplaner, Ortsplaner, die Fachstelle Gesundheitsförderung des Kantons Luzern, die Stadt Sempach, Pro Senectute Luzern und Fussverkehr Schweiz zusammen. Auf diese Weise konnten wichtige Erkenntnisse in verschiedene Bereiche einfliessen, zum Beispiel ins regionale Altersleitbild, ins Sportmanagement der Region Sursee-Mittelland, in die regionale Velonetzplanung und in weitere bestehende Projekte im Sinne der Bewegungsförderung.

Nun folgt die vierte Runde
Dieses Jahr gehen die Modellvorhaben in die vierte Runde. In den Jahren 2020–2024 wird es fünf Themenschwerpunkte geben: Chancen der Digitalisierung und Grundversorgung, integrierte Regionalentwicklung, Landschaft als Mehrwert, Wohnen und demografischer Wandel sowie kurze Wege und bewegungsfördernde Siedlungen. Insbesondere beim letzten Thema werden wieder Sport und Bewegung im Vordergrund stehen.

Kontakt

Fabienne Keller, Sektion Gesundheitsförderung und Prävention


Melanie Butterling, Programmkoordinatorin Modellvorhaben Nach--
haltige Raumentwicklung, Bundesamt für Raumentwicklung (ARE),
 

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