19.11.2015 Mit weniger Zucker in den Tag, Kids als Marketing-Zielscheibe und clevere Bewegungsideen

actionsanté. Die 7. Jahreskonferenz von actionsanté am 2. November 2015 in Bern drehte sich um die Zuckerreduktion in Jogurts und Frühstückscerealien, den Schutz der Kinder vor Werbung und Marketing für ungesunde Lebensmittel und um innovative Inputs für Bewegung im Alltag. Die internationale Perspektive steuerte João Breda von der WHO Europe bei.

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João Bred, Regionalbeauftragter Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro Europa

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João Bred, Regionalbeauftragter Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro Europa

João Breda, Regionalbeauftragter Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro Europa

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João Breda, Regionalbeauftragter Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro Europa

Michael Beer, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

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Michael Beer, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG)

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Pascal Strupler, Direktor des Bundesamts für Gesundheit (BAG)

Liliane Bruggmann, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

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Liliane Bruggmann, Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV)

Samuel Schmidiger vom Verein Velo-Lieferdienste Schweiz

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Samuel Schmidiger vom Verein Velo-Lieferdienste Schweiz

Kathrin Favero, Bundesamt für Gesundheit (BAG)

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Kathrin Favero, Bundesamt für Gesundheit (BAG)

Volker Schmidt, Geschäftsleitungsmitglied CSS

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Volker Schmidt, Geschäftsleitungsmitglied CSS

Hans Wyss, Direktor des BLV, im Gespräch mit Marina Villa

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Hans Wyss, Direktor des BLV, im Gespräch mit Marina Villa

Andrea Arz de Falco, Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG)

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Andrea Arz de Falco, Vizedirektorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG)

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«Die Schweiz darf in vieler Hinsicht als Vorbild gelten», sagte João Breda zu den rund 80 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, «bei der Reduzierung von Salz oder Transfetten ist Ihr Land ebenso Champion wie Roger Federer im Tennis.» Auch in der Bewegungsförderung hat Breda, Regionalbeauftragter Ernährung, Bewegung und Adipositas beim WHO-Regionalbüro Europa, viele spannende Projekte erspäht. Dies sei umso wichtiger, da die Risikofaktoren ungesunde Ernährung und ungenügende Bewegung für mehr als die Hälfte des Global Burden of Disease verantwortlich seien. Immer mehr Menschen leiden unter Übergewicht, besonders dramatisch sei der Anstieg bei den Kindern, in den südeuropäischen Ländern Italien, Griechenland und Spanien seien rund 40 Prozent der 7-jährigen Kinder übergewichtig oder adiopös. «Wir müssen etwas dagegen tun!», rief Breda auf. Bewegungsmangel sei als Schlüsselfaktor für nichtübertragbare Krankheiten erkannt, ein Drittel der Menschen bewegen sich zu wenig. Und gerade bei Kindern sei dies besonders fatal, denn Bewegung fördere auch die Hirnaktivität und die Aufmerksamkeit: «Aktive Kinder lernen viel besser.»  Deswegen hat die WHO-Europa die weltweite erste Bewegungsstrategie erarbeitet und im September 2015 verabschiedet. 

Prävention, so Breda, sei effektiv und eine Langzeit-Investition, «und sie beginnt bereits in der Schwangerschaft- und Stillzeit.» Es ist anerkannt, dass eine ungesunde Ernährung ein wichtiger Risikofaktor bei der Entstehung von nichtübertragbaren Krankheiten ist, nebst Bewegungsmangel, Alkohol- und Tabakkonsum. Die Förderung einer gesunden Kost sowie deren Verfügbarkeit ist ein wichtiger Hebel: Während in Südeuropa das Übergewicht bei Kindern besonders grassiert, variiere der Zuckergehalt in einem der beliebtesten Softdrinks zwischen 40 Gramm in Griechenland und 23 Gramm pro 33-cl-Flasche in Grossbritannien. Mit einer schrittweisen Anpassung der Rezeptur könnte der Hersteller einen effektiven Präventions-Beitrag leisten.  

Denn genau darum geht es bei actionsanté: Die Wirtschaft verpflichtet sich mit freiwilligen Aktionsversprechen, zu einer gesünderen Ernährung und mehr Bewegung beizutragen und damit ihre gesellschaftliche Verantwortung wahrzunehmen. actionsanté ist eine Initiative des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Eine Initiative, die im vergangenen Jahr ihr Konzept den neuen Rahmenbedingungen angepasst hat, wie Michael Beer vom BLV ausführte. Ziel sei es, «grosse Wirkung zu erzielen, ohne viel Geld auszugeben», um mit actionsanté zur guten Grundlage für die Strategie zur Prävention nichtübertragbarer Krankheiten (NCDs) beizutragen. Diese, betonte BAG-Direktor Pascal Strupler, sei die grosse Herausforderung für Gesundheitswesen und Gesellschaft in den kommenden Jahrzehnten. Deshalb habe der Bundesrat das BAG im Rahmen der Strategie Gesundheit 2020 damit beauftragt, eine nationale NCD-Strategie zu entwickelt, bei der zum einen die Gesundheitskompetenz jedes Individuums und zum anderen die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen dahingehend verbessert werden, dass sie die gesündere Wahl erleichtern. Mit interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Industrie und Behörden soll, so Strupler, unsere Gesellschaft fit gemacht werden für die Zukunft. «Dabei hat die Wirtschaft eine Schlüsselrolle inne und muss ihren Beitrag dazu leisten, dass jeden Tag gesunde Optionen zur Verfügung stehen.» Es gehe dabei um langfristige Entwicklungen, nicht um Schlagworte, oder – aus aktuellen Anlass – «nicht um Würste, sondern um die Wurst».  

Nach wie vor essen die Menschen in der Schweiz viel zu viel Zucker, nämlich rund 120 Gramm pro Tag (bzw. 44 Kilogramm jährlich) – statt der von der WHO empfohlenen 50 Gramm pro Kopf, wie Liliane Bruggmann vom BLV ausführte. Um diesem wichtigen Risikofaktor für Übergewicht und Diabetes entgegenzuwirken, haben am 4. August an der Weltausstellung in Mailand zehn Schweizer Lebensmittelproduzenten und Vertreter des Detailhandels mit Bundesrat Alain Berset eine Absichtserklärung unterzeichnet, mit dem Ziel, die Rezepturen aller Produkte zu überprüfen und, wo möglich und sinnvoll, Aktions-versprechen zur Zuckerreduktion einzureichen. Die detaillierten Aktionsversprechen im Rahmen von actionsanté werden zwischen den Unternehmen und dem BLV gegenwärtig konkretisiert. Neben der Lancierung gemeinsamer Forschungsprojekte ist für 2017 ein weiterer Runder Tisch geplant, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Natürlich müsse, so Bruggmann, grenzübergreifend gedacht werden, da viele Lebensmittel international produziert würden. Umso erfreulicher sei es, dass nach der Unterzeichnung der Erklärung von Mailand Kelloggs und Danone ihr Interesse für eine Teilnahme angemeldet hätten.  

Kids lieben Chips, Pommes Frites, Süsses und Softdrinks. Diese Lebensmittel enthalten zu viel Salz, zu viel Zucker, zu viel Fett. Da Kinder durch Werbung besonders leicht zu beeinflussen sind, muss der Berieselung mit Marketing-Botschaften für diese Produkte, namentlich am Fernsehen und im Internet Einhalt geboten werden. Nach der Ende 2014 ausgelaufenen Selbstverpflichtung Swiss Pledge, bei der sich führende Schweizer Lebensmittel- und Getränkehersteller freiwillig dazu verpflichtet haben, das eigene Werbeverhalten gegenüber Kindern unter 12 Jahren einzuschränken, und der Veröffentlichung des Nutrient Profile Modells vom WHO Regionalbüro Europa Anfang 2015, müssen die Nährwertkriterien neu bestimmt werden. Dies ist notwendig, um jene Lebensmittel zu definieren, für die keine an Kinder gerichtete Werbung erlaubt sein soll,  sagte Liliane Bruggmann. «Weil salzige, süsse und fettige Speisen zu Übergewicht im Kindesalter und seinen Folgekrankheiten beitragen, herrscht hier Handlungsbedarf.» Im Rahmen einer Vertiefungssession wurden die Kriterien diskutiert. Sie sollen, so der Tenor, wissenschaftlich basiert, transparent, öffentlich bekannt und mit den Zielen der Schweizer Ernährungsstrategie im Einklang stehen und zur NCD-Strategie beitragen. Für die Kontrolle ihrer Einhaltung wird eine neutrale, öffentliche Instanz gefordert.      

Ein konkretes Beispiel für die Förderung der aktiven Mobilität durch Unternehmen präsentierte Samuel Schmidiger vom Verein Velo-Lieferdienste Schweiz. Das Prinzip ist denkbar einfach: Die im Laden abgegebenen Einkaufstaschen werden vom Fahrradkurier mit dem Lastenvelo bis zur Haustüre geliefert. Die Wirkung ist vielfältig: Sie schafft Arbeitsplätze für Kurierfahrer, oft aus Beschäftigungsprogrammen, sie unterstützt den Detailhandel und belebt die Innenstädte. Und wer seine Einkäufe nicht selber nach Hause transportieren muss, kann sich zu Fuss, mit dem Velo oder öffentlichen Verkehrsmitteln unbeschwerter in der Stadt bewegen, und benötigt die «Kofferraum-Ausrede» nicht mehr, das Auto sei unverzichtbar für die Shopping-Tour. 23 Velo-Lieferdienste erledigen rund 200'000 Kurierfahrten jährlich. Allein in Langnau i.E. sind es 20'000 jedes Jahr, bei einer Einwohnerzahl von gerade mal 10'000. Der Umsteigeeffekt dieses sozialen und nachhaltigen Projekts ist laut Schmidiger belegt: 21% der Kunden in Burgdorf haben ihr Mobilitätsverhalten zugunsten der Fortbewegung mit Muskelkraft geändert.  

Als weitere konkrete Beispiele der Bewegungsförderung durch Unternehmen wurden die Aktionswoche von Radio und Fernsehen SRF und das Pilotprojekt «myStep» der Krankenversicherung CSS vorgestellt.  

Mit einer grossangelegten Aktionswoche haben SRF 1 und SRF 3 und verschiedene andere Radio- und TV-Sendungen ihr Publikum motiviert, sich mehr zu bewegen. Im Zentrum stand eine App, die zum spielerischen Bewegungs-Wettkampf von Einzelnen, Gruppen und ganzen Kantonen animierte. 88'000 Teilnehmende haben sich registriert, es wurden mehr als eine Million Kilometer mit Muskelkraft zurückgelegt! Ein ganzer Sendetag war dem sitzenden Lebensstil gewidmet, welcher das BAG mit seiner Initiative «Auf-Stehen» breit thematisiert hat. «Die SRF-Aktionswoche ist ein schönes Beispiel», sagte Kathrin Favero vom BAG, «wie ein Unternehmen seine Position dafür eingesetzt hat, die Schweizer Bevölkerung aus den Sesseln zu holen und in Bewegung zu bringen.»     

Mit «myStep» hat die CSS ihren Kunden eine Prämienermässigung von 10 Franken pro Monat offeriert, wenn sie täglich mehr als 10'000 Schritte zurücklegen. Dies wird mit einem internetverbundenen Schrittzähler gemessen, wie Geschäftsleitungsmitglied Volker Schmidt schilderte. 2'000 CSS-Kunden haben bei diesem Pilotprojekt mitgemacht, gut zwei Drittel hätten das geforderte Soll erreicht. Schmidt: «Nach dem erfolgreichen Pilotprojekt wird dieses Angebot zukünftig allen Kundinnen und Kunden zugänglich sein – so wie wir auch andere präventive Aktivitäten wie Yoga-Kurse oder Fitness-Abos mit finanziellen Anreizen belohnen.»  

Seit 2014 ist das Thema Ernährung in der Verantwortung des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), womit auch die Direktion von actionsanté sich auf die beiden Ämter BAG und BLV verteilt. Hans Wyss, Direktor des BLV, stellte für Mitte 2016 erste Resultate der umfangreichen nationalen Ernährungserhebung menuCH zum Essverhalten der Bevölkerung in der Schweiz in Aussicht. Und er verriet während eines kurzen Podiumsgesprächs: «Wir stellen uns immer wieder die Frage: Wie können wir unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger dazu bringen, sich gesünder zu ernähren – ohne oberlehrerhaft zu wirken?» Transparenz und Glaubwürdigkeit seien, so Wyss, für sein Amt oberste Maxime: «Man muss sagen, was man tut – aber auch tun, was man sagt.»  

In ihrem Schlusswort rief Andrea Arz de Falco, Vize-Direktorin des BAG, angesichts der stetig steigenden Problemlast der nichtübertragbaren Krankheiten dazu auf, in den Livestyle zu investieren. «Neben gesunder Ernährung ist Bewegung ein zentraler Schutzfaktor für NCDs, psychische Gesundheit und Demenz» betonte sie, «wobei Bewegung nicht zwangsläufig Sport sein muss, sondern jeder Schritt von der Inaktivität zählt – und garantiert auch für grössere Mobilität und höhere Lebensqualität im Alter!»  

Links

Kontakt

Alberto Marcacci, Leiter Sektion Ernährung und Bewegung und Leiter Büro actionsanté, alberto.marcacci@bag.amdin.ch     

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