01.11.2013 Neuer Standort für die Aids Dokumentation

Geschichte einer Krankheit. Die Aids Dokumentation ist die umfangreichste Dokumentation zur Geschichte von Aids in der Schweiz. Sie befindet sich neu im Institut für Medizingeschichte der Universität Bern und steht dort Wissenschaftlern und der interessierten Öffentlichkeit kostenlos zur Verfügung. Ermöglicht hat dies eine Schenkung des Bundesamtes für Gesundheit.

Bildstrecke Neuer Standort für die Aids Dokumentation

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Hervorgegangen ist die Aids Dokumentation aus der Aids Info Docu, einem 1988 gegründeten und vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) subventionierten Dokumentationszentrum, das die Bevölkerung niederschwellig mit Informationen über Aids versorgte. Nach deren Auflösung 2003 startete das BAG ein Sicherungsprojekt, um die gesammelten Materialien zu konservieren, zu ergänzen und zugänglich zu machen. Die im Frühjahr 2013 erfolgte Übernahme des aufgearbeiteten Bestandes ins Institut für Medizingeschichte Bern garantiert dessen Langzeitarchivierung und ermöglicht seine Erforschung und Benutzung. Das Institut für Medizingeschichte, dessen bisherige Schwerpunktgebiete die Medizin des 18. und 19. Jahrhunderts, das Leben des Gelehrten Albrecht von Haller und die Pharmaziegeschichte waren, dehnt mit der Übernahme seine Forschungs- und Sammlungstätigkeit auf das 20. Jahrhundert aus.

Umfangreiche Dokumentation
Der historische Bestand dokumentiert die Geschichte von Aids in der Schweiz in den entscheidenden 1980er- und 1990er-Jahren. Auch angrenzende Themen wie Homosexualität, Drogen, Prostitution oder Gesundheitspolitik sind darin enthalten. Der Bestand ist über den Online-Bibliothekskatalog «IDS Basel Bern» recherchierbar. Nebst Monografien, Sammelbänden, grauer Literatur, Zeitschriften und Presseausschnitten besteht die Aids Dokumentation aus Präventionsmaterial, Plakaten und audiovisuellen Medien. Die rund 1000 Videos wurden digitalisiert und können auf einem Computer im Lesesaal konsultiert werden. Insgesamt umfasst die Aids Dokumentation mehr als 100 Laufmeter und über 13 000 Dokumente.

Historische Bedeutung
Die Aids Dokumentation überliefert in einzigartiger Quantität und Qualität die Reaktion unserer Gesellschaft auf die von einer neuen Krankheit ausgehende Bedrohung. Diese Reaktion ist von historischem Interesse, mussten die Präventionsakteure im Kampf gegen Aids doch tabuisierte Themen wie Homosexualität, Promiskuität, Prostitution und Drogenkonsum ansprechen. Ausserdem erkannten die Gesundheitsbehörden, dass Betroffene und Risikogruppen beteiligt werden mussten, um erfolgreiche Präventionsarbeit leisten zu können. Die Reaktion der Behörden auf Aids steht somit beispielhaft für eine New-Public-Health-Strategie, die auf dem Lernvermögen der Individuen und Zielgruppen aufbaut, anstatt die Betroffenen zwangsweise von der restlichen Gesellschaft auszugrenzen.

Links

Kontakt

Prof. Dr. med. Dr. phil. Hubert Steinke, Direktor des Instituts für Medizingeschichte, hubert.steinke@img.unibe.ch

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