01.07.2013 Nikotinersatzprodukte sollen kassenpflichtig werden

Tabakprävention. Studien beweisen: Eine Nikotinersatztherapie mit einer begleitenden professionellen Beratung führt zu einer signifikanten Abnahme der Anzahl Rauchender. Die Eidgenössische Kommission für Tabakprävention (EKTP) empfiehlt deshalb, Nikotinersatzprodukte in den Grundleistungs­katalog der Krankenkassen aufzunehmen.

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Wirksamkeit, Zweckmässigkeit und Wirtschaftlichkeit: Das sind die Krite­rien für ein Medikament oder eine Therapie, um in die Grundversicherung aufgenommen zu werden. Nikotinersatzprodukte wie Nikotinkaugummis oder -pflaster erfüllen erwiesenermas­sen alle nötigen Kriterien: Sie sind wirksam, denn sie steigern die Abstinenzrate um 50 bis 70 Prozent; sie sind zweckmässig, denn sie verbessern den gesundheitlichen Zustand der Nikotinabhängigen ohne negative Nebenwirkungen; und sie sind günstiger als gleichwertige Therapieformen. Die EKTP plädiert dafür, dass die Kosten für Nikotinersatzprodukte künftig durch die Grundversicherung gedeckt werden – vorausgesetzt, der Patient erfüllt gewisse Voraussetzungen (siehe Kasten). Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass eine Nikotinersatztherapie, die im Anschluss an eine Rauchstopp-Beratung kostenlos angeboten wird, die Teilnahme an Rauchstopp-Programmen und deren Erfolgsquote verbessert.

Kosten bremsen Aufhörwillen
Die häufigste Ursache einer scheinbar unwirksamen Nikotinersatztherapie ist eine ungenügende Dosierung und ein vorzeitiger Therapieabbruch. Nicht selten sind daran die Ausgaben für die Ersatzprodukte schuld, die Raucherinnen und Raucher selbst tragen müssen. Obwohl ein objektiver Kostenvergleich zwischen Weiterrauchen und Ersatzmedikamenten mit nachfolgender Rauchfreiheit immer zugunsten der Therapie ausfällt, scheinen die Kosten für eine Therapie in den Köpfen der aufhörwilligen Raucherinnen und Raucher eine kaum zu überwindende Barriere zu sein. Mit einer Aufnahme der Nikotinersatzprodukte in die Grundversicherung wäre diese Barriere beseitigt. Zudem wäre die Gefahr reduziert, dass aufhörwillige Raucherinnen und Raucher auf andere gesundheitsschädigende Produkte wie Snus, Kautabak oder nicht geprüfte Produkte wie E-Zigaretten ausweichen würden.

Viele sozial schwache Rauchende
Ein niederschwelliger und kostenfreier Zugang zu Rauchstopp-Programmen und Nikotinersatzprodukten ist auch deshalb wichtig, weil das Rauchen besonders in sozioökonomisch benachteiligten Bevölkerungsgruppen verbreitet ist. Laut einer Studie der Universitäten Toronto und Oxford ist das Sterberisiko bei Personen im Alter von 35 bis 69 Jahren aus sozial benachteiligten Schichten doppelt so hoch. Dieser Unterschied kann laut dieser Studie überwiegend auf das Rauchen zurückgeführt werden.

Im Namen der EKTP:
Dr. med. H. Borer
und Prof. Dr. med. J. Cornuz

Kriterien für eine Kostenübernahme

Vorschlag der Eidgenössischen Kommission für Tabakprävention (EKTP)
– Konsum: Mindestens 10 Zigaretten
pro Tag
– Täglicher Tabakkonsum seit > 3 Jahren
– Ausstiegsmotivation > 5/10 gemäss VAS (Visual Analogue Scale)
– Behandlungsdauer: 3 Monate
– Kostenübernahme für maximal eine Behandlung pro Jahr
– Professionelle Beratung als Voraussetzung

Kontakt

Claudia Künzli, Sektion Tabak, claudia.kuenzli@bag.admin.ch

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