21.01.2020 Radon: radioaktiver Luftschadstoff in Schulen

Empfehlung. Aufgrund der revidierten Strahlenschutzverordnung sorgen die Kantone für Radonmessungen in Schulen – denn Kinder brauchen einen besonderen Schutz. Ein Zwischen­fazit zeigt: Rund 15 Prozent der Schulen überschreiten den Wert und müssen saniert werden.

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Es ist unsichtbar, geruchlos und steigt vom Boden auf. Das radioaktive Edelgas Radon ist die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs und fordert in der Schweiz 200 bis 300 Tote pro Jahr. Seit rund zwei Jahren müssen Schulen testen, in welchen Konzentrationen das Gas in den Schulzimmern vorkommt. Vor allem Räume im Untergeschoss oder auch Turnhallen können erhöhte Radonkonzentrationen aufweisen. Aktuellen Erhebungen zufolge weisen rund 15 Prozent der bisher gemessenen Schulen eine zu hohe Radonkonzentration auf.

Die Bevölkerung muss besser vor radioaktiver Strahlung geschützt werden – dies gilt besonders für Kinder. Aufgrund der neu überarbeiteten Strahlenschutzverordnung darf die Radonkonzentration in einem Schulzimmer nicht mehr höher als 300 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3) sein. Zuvor lag der Grenzwert bei 1000 Bq/m3. Nun müssen die Kantone dafür sorgen, dass in allen Schulen, Kindergärten und weiteren Kinderbetreuungseinrichtungen Radonmessungen durchgeführt werden. Überschreiten die Messungen den neuen Referenzwert, müssen die Kantone innerhalb von drei Jahren eine Radonsanierung anordnen. Eine Wegleitung dient den Kantonen zum richtigen Umgang mit Radonmessungen und deren Beurteilung und Priorisierung. Auch ein neu entwickeltes Radonmessprotokoll kann helfen, die Exposition der Kinder während ihres Aufenthalts in der Schule möglichst genau abzuschätzen.

Einfache, kostengünstige Massnahmen
Vereinzelte Kantone haben bereits umfangreiche Messkampagnen gestartet. Claudius F. Albrecht, Leiter einer anerkannten Radonmessstelle mit Sitz in Muttenz und Zürich, hat im vergangenen Jahr in der Region Basel mehr als 50 Radonmessungen an Schulen durchgeführt. Er deponiert dazu ein kleines Messgerät auf einem Schrank oder hinter einer Wandtafel. Dieses misst während mindestens drei Monaten die Luftströme und zeichnet dabei die radioaktive Strahlung auf. «Wo der Referenzwert überstiegen wird, kann oft mit einfachen und kostengünstigen Massnahmen bereits viel bewirkt werden», so Albrecht. Risse und Öffnungen, durch die Radon in das Gebäude dringt, können abgedichtet werden. Eine etwas aufwändigere und teurere Alternative ist der Einbau einer Lüftungsanlage im Keller. Albrecht empfiehlt den Schulen, sich baldmöglichst bei Fachstellen zu informieren und Radonmessungen durchzuführen. «Das Risiko für erhöhte Radonmesswerte in Schulen kann so vermieden werden.»

Radon

Radon entsteht beim natürlichen Zerfall von Uran im Boden. Es kann aus dem Boden aufsteigen und über Risse, Fugen oder Öffnungen für Kabel in den Wänden in Häuser gelangen. Werden die Folgeprodukte von Radon eingeatmet, können sie sich auf dem Lungengewebe ablagern und dieses radioaktiv bestrahlen. Dies kann zu Lungenkrebs führen. In der Schweiz verursacht Radon bei mehr als 10 Prozent der gemessenen Gebäude ein übermässiges Gesundheitsrisiko, vor allem im Jura und in den Alpen.

Kontakt

Daniel Storch
Sektion Radiologische Risiken

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