04.12.2015 Tabakkonsum in der EU mit Nord-Süd-Gefälle

Eurobarometer. In der EU rauchen 26% der Bevölkerung – nur unwesentlich mehr als in der Schweiz, wo der Raucheranteil bei 25% liegt. In der Einzelbetrachtung zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den EU-Ländern: Staaten mit tiefen Raucherprävalenzen und hohen Aufhörraten sind vor allem im Norden Europas zu finden. Das sind tendenziell auch jene Länder mit starken Werbeeinschränkungen und hohen Tabakpreisen. Auf gesetzlicher Ebene geht die Schweiz nicht so weit wie sie.

Immer noch präsent: Tabakwerbung an einem Kiosk in La Neuveville.

Bildstrecke Tabakkonsum in der EU mit Nord-Süd-Gefälle

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Immer noch präsent: Tabakwerbung an einem Kiosk in La Neuveville.

Gemäss dem «Special Eurobarometer 429: Attitudes of Europeans towards tobacco and electronic cigarettes» aus dem Jahr 2015 ist das Rauchen vor allem in den südlichen Ländern stark verbreitet, ausser in Italien. Es zeichnet sich ein gewisses Nord-Süd-Gefälle ab. Generell hat Nordeuropa viele Exrauchende zu verzeichnen und mehr Menschen, die schon einmal versucht haben, mit dem Rauchen aufzuhören.  

Rückgang um 2%

In der Gesamtschau ist die Anzahl der Rauchenden in der EU seit 2012 um 2 Prozentpunkte gesunken. Auch in der Einzelbetrachtung der meisten Länder lässt sich ein Rückgang feststellen am deutlichsten in Irland (–8%), in Österreich und Malta (beide –7%), in Finnland, Luxemburg und Lettland (alle –6%) sowie in Grossbritannien (–5%). Nur in fünf Staaten hat sich der Raucheranteil erhöht, nämlich in Frankreich (+4%), Slowenien und Portugal (beide +2) sowie in Zypern und Deutschland (beide +1). In der Schweiz ist der Raucheranteil zwischen 2012 und 2014 um 1% von 25,9 auf 24,9% zurückgegangen, ist aber seit 2011 relativ stabil geblieben.

In der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen ist die Raucherrate in der EU seit 2012 gar um vier Prozentpunkte von 29 auf 25% zurückgegangen. In der Schweiz war der Trend gemäss Suchtmonitoring Schweiz in dieser Altersgruppe gegenläufig: 2012 rauchten 28,7% der 15- bis 24-Jährigen, 2014 waren es 29,9%.  

Tabakwerbung noch weit verbreitet

Insgesamt haben 40% der Befragten der Eurobarometer-Studie angegeben, in den letzten zwölf Monaten eine Tabakwerbung oder -promotion gesehen zu haben. 56% der Befragten gaben an, niemals Tabakwerbung gesehen zu haben. Gefragt nach dem Ort der gesehenen Werbung, gaben die meisten einen Tabakverkaufspunkt an (39%), gefolgt von öffentlichen Werbeflächen wie Plakatwänden (30%), Zeitungen und Magazinen (22%) und Cafés und Bars (17%). Die Studie zeigt zudem, dass junge Menschen der Tabakwerbung generell stärker ausgesetzt sind als ältere Menschen, dies vor allem wegen Werbekampagnen und Promotionen, die im Internet respektive in den Sozialen Medien kursieren.  

Starke Einschränkungen in nördlichen Staaten

Diese Zahlen zeigen, dass Tabakwerbung in den EU-Staaten immer noch weit verbreitet ist. In der EU gelten derzeit lediglich die Tabakwerberichtlinie (2003/33/EC) und die Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (2010/13/EU), welche die grenzüberschreitende Tabakwerbung verbietet. Viele EU-Mitgliedstaaten, zum Beispiel Irland, Grossbritannien und Finnland sowie das Nicht-EU-Land Norwegen, gehen jedoch weiter als die europäischen Richtlinien und untersagen jede Form von Tabakwerbung, einschliesslich der Auslegung von Tabakprodukten an den Verkaufsstellen. Die Tabakwaren dürfen also nicht sichtbar sein und müssen zum Beispiel unter dem Ladentisch gelagert werden. Viele andere Länder wie Frankreich, Dänemark und Belgien verfügen über eine gesetzliche Regelung der Werbung an den Verkaufsstellen und/oder des Sponsorings. Zudem sind in diesen Ländern die Preise für Tabakprodukte vergleichsweise sehr hoch.  

Schweiz zieht nach

In der Schweiz ist derzeit die Werbung für Tabakprodukte im Fernsehen und Radio sowie gezielt an Jugendliche gerichtete Werbung verboten. Das sind die einzigen auf Bundesebene gültigen Einschränkungen für Tabakwerbung. Im internationalen Vergleich handelt es sich dabei um eine der lockersten Regelungen für Tabakwerbung. Allerdings sind kantonale Regelungen zur Tabakprävention zum Teil strenger als das Bundesgesetz – dies gilt für 58% der Kantone, in denen rund 80% der Schweizer Bevölkerung leben. Mit dem Tabakproduktegesetz, das derzeit erarbeitet wird, sollen die Regelungen im Bereich Werbung und Sponsoring verstärkt und die Schweizer Gesetzgebung dem internationalen Schutzniveau angenähert werden. Damit sollen insbesondere die Jugendlichen, die für Werbebotschaften besonders empfänglich sind, besser geschützt werden.

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Kontakt

Laure Curt, Sektion Tabak, laure.curt@bag.admin.ch

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