02.03.2018 Traumatisierte junge Geflüchtete – ein neues Angebot zur Weiterbildung und Vernetzung von Fachpersonen und Freiwilligen

Migration und Gesundheit. Junge Geflüchtete haben auf ihrem Weg in die Schweiz oft Schreckliches erlebt. Aufgrund der vielen Anfragen zum Umgang mit traumatisierten Kindern und Jugendlichen hat das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des Schweizerischen Roten Kreuzes eine nationale Webplattform aufgebaut. Diese präsentiert Unterstützungsangebote und vermittelt Informationen zu Weiterbildungsangeboten und Veranstaltungen für Fachleute und Begleitpersonen.

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TODO CHRISTIAN

Im Herbst 2015 hatte das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer des SRK einen Ansturm von Fragen zum Umgang mit traumatisierten jungen Geflüchteten zu bewältigen. In einer Vernetzungsveranstaltung mit Fachpersonen im Frühjahr 2016 wurden mögliche Massnahmen besprochen.  

Als problematisch erwiesen sich vor allem die unzureichende Vernetzung, die mangelnde überregionale Übersicht über Unterstützungsangebote, die fehlenden praxisorientierten Weiterbildungen für Freiwillige und Fachpersonen, die in direktem Kontakt mit jungen Geflüchteten stehen, sowie ein Mangel an transkulturell geschulten Fachkräften, die freie Therapieplätze anzubieten haben. Auch waren keine niederschwelligen Angebote zur emotionalen Erststabilisierung traumatisierter Jugendlicher vorhanden.  

Die SRK-Webplattform www.traumatisierung.migesplus.ch soll zur Verbesserung dieser Situation beitragen. Hier finden sich verschiedene regionale Unterstützungsangebote, eine Wissensplattform sowie Informationen zu Weiterbildungen und Veranstaltungen. Eine Vernetzung unter Fachpersonen und Freiwilligen soll damit erleichtert werden.  

Die neue Website „Traumatisierte junge Geflüchtete“ vermittelt Wissen (Hintergrundwissen, Fachliteratur und Literatur für Kinder und Jugendliche, sowie Bestellmaterial zum Downloaden) und gibt einen Überblick über Angebote (Unterstützungsangebote in der ganzen Schweiz) sowie Weiterbildungen/Veranstaltungen (für verschiedene Berufsgruppen zum Thema Trauma, Flucht, Migration, Integration). Die Veranstaltungen und Weiterbildungen in der deutschsprachigen Schweiz (und Österreich oder Deutschland) sowie in der Romandie und im Tessin sollen laufend angekündigt werden. Mittels eines Online-Formulars können Institutionen ihre (neuen) Angebote und Events selbst erfassen. Das SRK überprüft die Einträge und schaltet sie anschliessend online.

Geflüchtete Kinder und Jugendliche haben das Recht auf

  • eine adäquate Gesundheitsversorgung. Dazu gehört auch der Zugang zu spezialisierten Psychotherapieangeboten.
  • Schutz und regelmässige Unterstützung durch ihren Beistand.
  • eine kind-, jugend- und gendergerechte Unterbringung, in der sie sicher sind vor Übergriffen und Gewalt und in der Lernen möglich ist.
  • Bildung, die auf vollumfängliche sprachliche und berufliche Integration abzielt.
  • Rechtssicherheit und rasche, vollumfängliche, verständliche Auskunft über ihren Aufenthaltsstatus.
  • gesellschaftliche Partizipation und auf Mitwirkung in allen Verfahren, die sie betreffen.

Quelle: Tagungsresolution der Nationalen Fachtagung 2017 «Wege aus dem Trauma: Perspektiven für geflüchtete Kinder und Jugendliche», organisiert durch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK), die Allianz für die Rechte der Migrantenkinder (ADEM) und den Verbund der Schweizer Ambulatorien «Support for Torture Victims».

Kontakt

Agathe Blaser, Sektion Gesundheitliche Chancengleichheit des BAG,

Martine Scholer, SRK-Projektleiterin «Traumatisierte junge Geflüchtete»,

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