06.11.2019 Verständliche Gesundheitsinformationen – dank Einbezug von Betroffenen

Leseschwierigkeiten. Verständliche Gesundheitsinformationen sind entscheidend, um sich gesund zu ver­­­halten und um sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden. Erst Informationen, die verstanden werden, ermöglichen ein eigenverantwortliches Entscheiden und Handeln. Eine leicht ­verständliche Sprache ist vor allem für Personen mit niedrigem Bildungsniveau und geringen Kenntnissen der ortsüblichen Sprachen wichtig.

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TODO CHRISTIAN

In der Schweiz haben 800 000 Personen Leseschwierigkeiten und können komplizierte Texte kaum verstehen. Auch verfügt mehr als die Hälfte der Schweizer Bevölkerung über eine geringe Gesundheitskompetenz. Im Umgang mit der eigenen Gesundheit und mit Krankheiten sollten aber alle möglichst eigenverantwortlich entscheiden können. Dies setzt die ­Fähigkeit voraus, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden und Gesundheitsinformationen zu verstehen, zu beurteilen und anzuwenden.

Bei der Vermittlung von Gesundheitsinformationen muss die Diversität der Bevölkerung hinsichtlich Bildung, sozialem Status, Herkunft, Sprache und Gesundheitskompetenz unbedingt berücksichtigt werden. Eine leicht ­verständliche Sprache ist insbesondere für die Verständigung mit soziokulturell benachteiligten Personen wichtig. Wie aber können die fachlich oft komplexen Informationen so aufbereitet werden, dass sie von allen verstanden werden? Das Büro für Leichte Sprache von Pro Infirmis und das Kompetenzzentrum migesplus des SRK wissen hier Rat. Dank Einbezug von Betroffenen können Gesundheitsinformationen besser verständlich gemacht werden.

Leichte Sprache einfach gemacht
Seit Anfang 2015 gibt es das Büro für Leichte Sprache von Pro Infirmis, das Informationsmaterialien nach den Regeln der Leichten Sprache vereinfacht und die Botschaften insbesondere für Personen mit kognitiven Einschränkungen leicht verständlich macht. Für das Büro arbeiten auch Menschen mit Leseschwierigkeiten, welche die vereinfachten Texte in kleinen Gruppen auf ihre Verständlichkeit prüfen. Diese Prüferinnen und Prüfer werden für ihre Arbeit entschädigt. Ihr Miteinbezug erfordert aber Zeit und die Bereitschaft, die Informationen den Rückmeldungen entsprechend anzupassen. Die Auftraggeber erhalten einen Prüfnachweis und ein Gütesiegel, welches das Sprachniveau als Leichte Sprache kennzeichnet.

Der Bedarf für diese Dienstleistung ist vorhanden: Neben einem Büro in der Deutschschweiz und in der Romandie konnte Pro Infirmis vor Kurzem auch eines im Tessin eröffnen.

Auch das Portal für gesundheitliche Chancengleichheit migesplus.ch des Schweizerischen Roten Kreuzes setzt sich dafür ein, dass Gesundheitsinformationen vermehrt in leicht verständliche Sprache übersetzt werden. Das Team von migesplus.ch ist spezialisiert auf Informationsvermittlung an schwer erreichbare Zielgruppen (insbesondere Migrantinnen und Migranten in der Schweiz) und berät Institutionen bei der zielgruppengerechten Ausgestaltung von Gesundheitsinformationen. Das Verfassen von Texten in einfacher Sprache ist eine von mehreren Empfehlungen. Mittlerweile sind auf der Webseite rund 457 Publikationen von 139 Gesundheitsorganisationen in bis zu 56 Sprachen zu finden, viele davon sind in leicht verständlicher Sprache. Künftig sollen es noch mehr werden.

Praxisbeispiel Booklet EPD
Die Kommunikationsmittel zum «Elektronischen Patientendossier EPD» sind ein Beispiel, wie es mit Leichter Sprache gelingen kann, komplexe Informationen verständlicher darzustellen. Die Koordinationsstelle eHealth Suisse hat ihre EPD-Broschüren und die Patienteninformation in Deutsch, Französisch und Italienisch auf Leichte Sprache übersetzen lassen.

Illustrationen und Audio helfen weiter
Als Alternative und Ergänzung zu Texten bieten sich Illustrationen, Videos oder Audioversionen an. Auf Webseiten können animierte Bilder oder kurze Erklärvideos verwendet werden, um die Informa-
tionen für Personen mit Leseschwierigkeiten besser verständlich zu machen. Eine zertifizierte und barrierefreie Umsetzung (wie auf www.patientendossier.ch) stellt zudem sicher, dass die Inhalte auch als Audioversion übers Ohr aufgenommen werden können.

Links

Kontakt

Annatina Foppa
eHealth Suisse
Kompetenz- und Koordinationsstelle von Bund und Kantonen,


Sabina Hösli
Sektion Gesundheitliche Chancengleichheit

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