01.01.2013 Wegen Alkoholvergiftung im Spital: Nicht nur Junge sind betroffen

Alkoholmissbrauch. 2010 wurden rund 27 000 Personen wegen Alkoholabhängigkeit oder wegen einer Alkoholvergiftung in einem Schweizer Spital behandelt. Darunter sind 1440 Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 10 und 23 Jahren. Am meisten betroffen sind aber vor allem Menschen zwischen 45 und 74 Jahren.

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Sucht Schweiz hat im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit die alkoholbedingten stationären Behandlungen von 2003 bis 2010 analysiert. Behandlungen in Hausarztpraxen, teilstationäre Behandlungen in Spitälern oder von der Polizei nach Hause gefahrene Personen wurden nicht berücksichtigt. Somit bildet diese Studie nur einen Teil des Problems ab.

12 000 Alkoholvergiftungen
2010 wurden 12 000 Personen wegen einer Alkoholvergiftung hospitalisiert. Davon waren 1200 unter 23 Jahre alt. Verglichen mit den Jahren 2008 und 2009 haben die Spitaleinweisungen wegen Alkoholvergiftung unter den 10- bis 23-Jährigen leicht abgenommen. Nimmt man aber das Jahr 2003 als Referenzwert, haben sie um 73% zugenommen. Obwohl das Rauschtrinken bis zum jungen Erwachsenenalter zunimmt, werden besonders häufig 14- und 15-Jährige mit einer Alkoholvergiftung ins Spital eingeliefert. «Das zeigt, dass die ganz Jungen im Umgang mit Alkohol unerfahren sind und eher riskieren, über die Massen zu trinken», erklärt Matthias Wicki, Studienautor und Forscher bei Sucht Schweiz. Gerade bei Jugendlichen ist es wichtig, möglichst früh mit Prävention einzusetzen, bevor sich problematische Verhaltensweisen festigen. Besondere Beachtung gilt dem konsequenten Jugendschutz: Verbote beim Verkauf vom Alkohol müssen besser greifen, und die Gesellschaft muss für die besondere Verletzlichkeit Minderjähriger durch alkoholische Getränke weiter sensibilisiert werden. Übermässiger Alkoholkonsum führt nicht nur zu Gedächtnislücken, starker Übelkeit bis hin zu Kreislaufstörungen oder Koma, er kann unter Umständen auch zum Tod führen. Ausserdem besteht ein deutlich erhöhtes Risiko für Unfälle und Verletzungen, Gewalt oder aggressives Verhalten. Folgen, von denen auch das Umfeld betroffen ist.

Ältere öfter abhängig
Je höher das Alter der Personen, die wegen eines schweren Rausches eingewiesen werden, desto grösser die Wahrscheinlichkeit, dass es sich nicht nur um eine Alkoholvergiftung, sondern um eine Alkoholabhängigkeit handelt. So wurde bei rund der Hälfte der aus diesem Grund behandelten 45- bis 74-Jährigen zusätzlich eine Alkoholabhängigkeit diagnostiziert. Gemäss Matthias Wicki sind bei älteren Menschen Spitaleinweisungen seltener auf übermäs­siges Trinken «aus Spass» zurückzuführen, sondern auf eine bestehende Alkoholabhängigkeit oder psychische Probleme. Im Jahr 2010 wurden 19 000 Personen wegen einer Alkoholabhängigkeit im Spital behandelt, darunter war bei 4000 Personen zusätzlich eine Alkoholvergiftung diagnostiziert worden.

Beratung fördern
Die Studie zeigt, dass Handlungsbedarf besteht. Menschen, die aufgrund einer Alkoholvergiftung oder einer Abhängigkeit ins Spital eingeliefert werden, bedürfen nicht nur medizinischer Versorgung. Sie müssen auch Informationen, Beratung und Unterstützung erhalten, wie dies in einigen Regionen bereits geschieht. Hier setzt das Nationale Programm Alkohol (NPA) an. Das NPA erarbeitet Konzepte, die aufzeigen, wie die enge Zusammenarbeit zwischen Spitälern, Suchtberatungsstellen und weiteren Akteuren ausgestaltet sein könnte. Einzelgespräche, Gruppenangebote oder Risikochecks sollen Betroffenen zum Beispiel helfen, das eigene Trinkverhalten zu überdenken.

Studie:

Hospitalisierungen aufgrund von Alkoholintoxikation oder Alkoholabhängigkeit bei Jugendlichen und Erwachsenen – Eine Analyse der Schweizerischen «Medizinischen Statistik der Krankenhäuser 2001–2010».

Kontakt

Tamara Bonassi, Sektion Alkohol,tamara.bonassi@bag.admin.ch

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