06.09.2018 Wie Jugendliche einen sensiblen Umgang mit Alkohol lernen können

MobileCoach Alkohol. Das mobiltelefonbasierte Programm MobileCoach Alkohol motiviert Jugendliche für einen Zeitraum von drei Monaten mittels individualisierter SMS-Nachrichten zu einem sensiblen Umgang mit Alkohol. Es erwies sich als wirksam zur Reduktion des Rauschtrinkens und wird derzeit in mehreren Kantonen eingesetzt.

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Ausgangspunkt für die Entwicklung des Programms waren Studien aus den USA, die zeigten, dass ausführliche computergestützt-generierte Feedbacks zum eigenen Alkoholkonsum den problematischen Alkoholkonsum bei Studierenden reduzieren konnten. Allerdings schien dieser Ansatz nicht unmittelbar auf Schülerinnen und Schüler an Berufsund Mittelschulen mit möglicherweise geringerer Motivation und Fähigkeit, längere Texte durchzulesen, anwendbar. Auch auf Grundlage positiver Erfahrungen mit SMS-basierten Programmen im Bereich der Tabakprävention bei Schülerinnen und Schülern an Schweizer Berufsschulen erschien eine längerfristige Unterstützung via kurzer individualisierter SMS-Nachrichten aussichtsreicher.
Der MobileCoach Alkohol wurde für Schülerinnen und Schüler an Berufs- und Mittelschulen entwickelt. Der persönliche Kontakt und das Setting spielen bei der Bewerbung des Programms eine zentrale Rolle. Am einfachsten gelingt der Zugang in Schulklassen durch geschulte Fachpersonen, die viel Erfahrung im Umgang mit Jugendlichen haben.

Per SMS informiert und motiviert

Teilnehmende erhalten nach einer Onlinebefragung im Klassenzimmer ein individuelles Feedback bezüglich ihrer Trinkgewohnheiten im Vergleich zu einer alters- und geschlechtsspezifischen Referenzgruppe. Anschliessend werden sie über einen Zeitraum von drei Monaten mittels individualisierter SMS-Nachrichten – unter anderem zu Zeiten und in Situationen, in denen üblicherweise Alkohol getrunken wird – über das Thema Alkohol und Gesundheit informiert und zu einem sensibleren Umgang mit Alkohol motiviert. Ein Jugendlicher mit riskantem Alkoholkonsum, der in der Onlinebefragung angibt, am Samstag um 22 Uhr üblicherweise Alkohol zu trinken, erhält beispielsweise genau zu diesem Zeitpunkt die Nachricht: «Hi Kevin. Alkohol abzulehnen, ist nicht immer leicht. Das Gute ist aber, dass es mit jedem Nein einfacher wird! Mach die Probe und sag freundlich, dass du eine Runde aussetzt.» Die SMS-Nachrichten beinhalten neben Textbotschaften auch Links zu thematisch passenden YouTube- Videos und Hilfsangeboten.

Der MobileCoach Alkohol wurde für Schülerinnen und Schüler an Berufs- und Mittelschulen entwickelt.

Hohe Akzeptanz des Programms

Die Auswertungen der Wirksamkeitsstudie ergaben eine hohe Akzeptanz. Von insgesamt 1371 Lernenden nahmen 1046 (77 Prozent) am Programm und an der damit zusammenhängenden Studie teil. Von den 547 Teilnehmenden der Interventionsgruppe blieben 542 (99 Prozent) bis zum Ende des dreimonatigen Programms dabei. In dieser Gruppe hat sich der Anteil der Rauschtrinker innerhalb von sechs Monaten von 47 auf 41 Prozent reduziert. Bei der Kontrollgruppe ohne SMS ist der Prozentsatz gleichzeitig leicht gestiegen. Besonders stark war der Rückgang bei jenen, die zuvor mindestens zweimal im Monat massiv zu viel getrunken hatten.
Unter anderem basierend auf den Ergebnissen dieser Studie wurde das Programm technisch und inhaltlich optimiert. Es wird bis Ende des Schuljahres 2017/2018 durch Fachstellen für Suchtprävention in der deutschsprachigen Schweiz durchgeführt. Initiiert wurde es vom Nationalen Programm Alkohol NPA (2008–2016) des BAG, das 2017 durch die Strategien NCD und Sucht abgelöst wurde.

Link zum Ergebnisbericht des Projekts MobileCoach Alkohol (auf Deutsch):
www.isgf.uzh.ch > Projekte > Alkohol > MobileCoach Alkohol > Projektergeb- nisse Mobile Coach Alkohol (weiterfüh- rende Links) 

Links

Kontakt

Severin Haug, Forschungsleiter am Schweizer Institut für Suchtund Gesundheitsforschung,
severin.haug@isgf.uzh.ch

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