19.01.2017 Wie weiter in der Alkoholpolitik von Bund, Kantonen und Städten?

14. Tagung der Kantonalen Alkohol-Aktionspläne (KAP). Über 100 Personen aus allen drei Sprachregionen der Schweiz stellten sich an der 14. Tagung der Kantonalen Alkohol-Aktionspläne, kurz KAP, die Frage: «Alkoholpolitik von Bund, Kantonen und Städten: Wie weiter?» Dabei standen an diesem 8. November die Diskussion der aktuellen alkoholpolitischen Handlungsspielräume und ein Rückblick auf das Nationale Programm Alkohol im Vordergrund. Allen Teilnehmenden gemeinsam war der Berührungspunkt zu alkoholpolitischen Fragestellungen. Die Hintergründe jedoch waren vielseitig: Personen aus den Bereichen Sucht, Gesundheit, Prävention, Behandlung, Soziales, Handel, Gewerbe, Lebensmittelinspektorate, Polizei und Justiz sowie der Politik zählten zu den Teilnehmenden. Hauptzielgruppe waren die Vertreterinnen und die Vertreter der Kantonsverwaltungen.

Bild aus dem Trailer zu

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Bild aus dem Trailer zu "Bei Wind und Wetter", einem Kurzfilm von Remo Scherrer

Mittels verschiedener Vorträge wurden im Verlauf des Morgens die Total- und Teilrevision des Alkoholgesetzes und die daraus folgenden Auswirkungen für die Kantone und Städte thematisiert. Ein aktueller Stand und Ausblick zur Revision gab Stefan Schmidt, Leiter der EAV in seiner Präsentation. Renate Amstutz, Direktorin des Schweizerischen Städteverbandes, widmete sich der Frage, welche Spielräume die Städte haben, wenn auf nationaler Ebene keine weiteren Präventionsmassnahmen ergriffen werden. Irene Abderhalden, Direktorin von Sucht Schweiz, ermöglichte einen Einblick in die Forschung zur wirksamen Alkoholprävention. Sie präsentierte Massnahmen auf drei Interventionsebenen: Individuum, Soziale Systeme und Öffentlichkeit. Sie zeigte auf, dass strukturelle Massnahmen wie ein höherer Preis und eine eingeschränkte Erhältlichkeit des Alkohols besonders wirksam sind und dass durch Multikomponentenprogramme mehr erreicht werden kann als durch Einzelaktionen. Auf Grund dessen betonte sie die Wichtigkeit eines kontinuierlichen Austausches zwischen Forschung, Praxis und Politik.   

Im Anschluss an die Referate konnten sich die Teilnehmenden auf dem «Marktplatz» an Plakatständen zu ausgewählten Alkoholpräventionsprojekten informieren und Fragen stellen. So wurde beispielsweise jalk.ch - eine Online Schulung der Eidgenössischen Alkoholverwaltung EAV zum Thema Jugendschutz bei der Alkoholabgabe vorgestellt. Dabei geht es um das Erlernen von Fakten und rechtlichen Aspekten. Die Plattform ist angepasst an die Regelungen der Kantone und steht gratis zur Verfügung. Emotionen wurden durch die Präsentation des Filmes «Bei Wind und Wetter» von Remo Scherrer geweckt. Der animierte Dokumentarfilm zeigt die Alkoholsucht einer Mutter aus Sicht der 8-jährigen Tochter und ihre Achterbahnfahrt zwischen Ohnmacht, Überforderung und Verzweiflung. Der Film, welcher an internationalen Festivals gezeigt wurde, regte zum Nachdenken an. Weiter gaben die Verantwortlichen einen Einblick in die Praxis der Stadt Neuenburg und des Kantons St. Gallens zum Thema «Alkoholtestkäufe» oder in das «Konzept und Strategie Nachtleben» der Städte Chur und Luzern. Für Durstige mixte das Team um die Blue Cocktail Bar fruchtige, alkoholfreie Drinks.  

Die Trägerschaft der KAP umfasst die Eidgenössische Alkoholverwaltung (EAV), das Bundesamt für Gesundheit (BAG), die Schweizerische Konferenz der kantonalen Gesundheitsdirektorinnen und -direktoren (GDK) und den Schweizerischen Städteverband SSV. Sie wird jährlich durch den Fachverband Sucht in Zusammenarbeit mit dem Groupement Romand d`Etudes des Addictions (GREA) organisiert. Die KAP-Tagung dient dem inter- und intrakantonalen Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch und bietet eine Plattform für die Vernetzung der Akteure untereinander. An den jährlichen Treffen werden aktuelle Themen aufgegriffen. Es wurden beispielsweise bereits Tagungen zum Thema Alkoholintoxikation, Alkohol und Gewalt oder die Erhältlichkeit von Alkohol und die damit verbundenen Spielräume der Städte und Kantone thematisiert.

Insgesamt sind in den letzten 14 Jahren bereits über 1000 Personen der Einladung gefolgt. Die Fachpersonen schätzen diese Möglichkeit zum Austausch und die Einblicke in andere Bereiche zu alkoholpolitischen Fragestellungen, wie Rückmeldungen zu den Tagungen zeigen.    

Unter dem Label «KAP plus» bietet die KAP-Trägerschaft seit sechs Jahren zusätzlich kürzere bedarfs- und anwendungsorientierte Veranstaltungen an. Dabei steht ein Erfahrungsaustausch und Wissenstransfer in den Sprachregionen im Zentrum. Die Evaluationen der bisherigen Veranstaltungen zeigen, ebenso wie die Teilnehmerzahlen, dass dieses Angebot dem Bedürfnis der Zielgruppe entspricht.  

Sowohl die KAP- als auch die KAP plus-Tagungen werden im Rahmen der neuen Strategien NCD und Sucht auch im kommenden Jahr stattfinden.

Stimmen der Teilnehmenden

« C'était ma première PAC nationale et j'ai trouvé la qualité des interventions très bonnes. Les études menées étaient de très grande importance, leurs présentations étaient intéressantes. L'introduction est la seule présentation un peu moins intéressante. »

«Der Anlass war sehr gelungen und gab einen guten Einblick in die Lösungen von anderen Orten (Vernier). »

« Intervenants de qualité. Diversité des questions relevées qui s'adressent à des participants de milieux différents, mais qui intéressent la totalité. Merci et bravo. »

«Ich bin in der Prävention tätig, die Themen betrafen oft eher die Beratung/Behandlung. Es ist aber hier wichtig die Schnittstellen und Entwicklungen zu kennen, und das hat die Tagung erfüllt.»

« Cette journée m'a permis d'apprendre que de nombreuses choses sont déjà en place et que je pourrais m'appuyer sur ces partenaires pour améliorer la situation. »

« Le programme était varié et jamais ennuyeux. Une vidéo pour commencer permet de se plonger doucement dans le sujet, puis les divers points de vue bien expliqués et tous très intéressants. »

«Die Podiumsdiskussion hat mir sehr gut gefallen - spannend und anregend! »

Kontakt

Sophie Barras Duc, Sektion Gesundheitsförderung und Prävention,

Barbara Christen, Sektion Gesundheitsförderung und Prävention,

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