20.08.2015 Rauchstopplinie: «Wir überreden oder verurteilen niemanden.»

Rauchstopplinie. Sie steht auf jedem Zigaretten- und Tabakpäckli der Schweiz: die Telefonnummer der Rauchstopplinie. Wer hier anruft, trifft am anderen Ende der Leitung auf Menschen, die wissen, wie schwer es ist, diese Sucht abzulegen – und wie man es mit Unterstützung trotzdem schaffen kann. Im Jahr 2014 waren es 2278 Personen, die sich bei der Rauchstopplinie beraten liessen.

Catherine Abbühl berät bei der Rauchstopplinie Aufhörwillige.

Bildstrecke Rauchstopplinie: «Wir überreden oder verurteilen niemanden.»

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Catherine Abbühl berät bei der Rauchstopplinie Aufhörwillige.

Rauchstopp-Projektleiterin Sabine Jenny.

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Rauchstopp-Projektleiterin Sabine Jenny.

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Die Rauchstoppberatung richtet sich ganz nach den persönlichen Bedürfnissen der Anrufenden – ein Schema F gibt es nicht. Manche suchen spezifische Informationen, zum Beispiel über Niko-tinersatzprodukte, andere wünschen ein ausführliches einmaliges Gespräch, und wieder andere wollen sich über einen längeren Zeitraum begleiten lassen. In diesem Fall vereinbaren der oder die Anrufende und die Beratungsperson zum Beispiel, dass diese sich alle zwei Wochen meldet. «Vielen Aufhörwilligen hilft es zu wissen, dass jemand anrufen wird, um nachzufragen, wie es geht. Das schafft Verbindlichkeit, und Verbindlichkeit hilft, um ein Vorhaben durchzuziehen», erklärt Sabine Jenny, Projektleiterin der Rauchstopplinie.  

Zur Klarheit motivieren

«Motivierende Gesprächsführung» nennt sich die Methode im Fachjargon, die die Beraterinnen und Berater der Rauchstopplinie unter anderem anwenden, wenn sie aufhörwillige Raucherinnen und Raucher am Telefon haben. Dabei handelt es sich um eine anerkannte Interviewtechnik, die den Menschen hilft, zu einer klareren Erkenntnis zu kommen. «Die Menschen, die bei uns anrufen, sind oft noch sehr hin- und hergerissen. Sie wollen zwar die Sucht loswerden, haben aber Angst vor einem ‹Leidensweg› oder vor dem Versagen», sagt Sabine Jenny. Im Beratungsgespräch wird den Anrufenden im besten Fall klar, dass ihr Wille zum Aufhören ihre Angst überwiegt.  

Nicht einfach «Geschwätz»

So gelangen die Anrufenden von sich aus zu einem klaren inneren Ja zum Rauchstopp – und das ist grundlegend für den Erfolg. «Bei uns wird niemand überredet oder verurteilt, wenn er nicht wirklich aufhören will. Wir wissen, dass Rauchen eine starke Sucht ist, und es ist nicht einfach, eine Gewohnheit zu verändern», führt Sabine Jenny aus. Bei der Rauchstopplinie muss sich auch niemand Vorträge über die Schädlichkeit des Rauchens anhören. Aber Sabine Jenny ist es wichtig, dass die Menschen wissen, dass Beratung wirklich helfen kann und nicht einfach «Geschwätz» ist. Gemäss einer Evaluation aus dem Jahr 2014 waren rund ein Drittel der beratenen Anruferinnen und Anrufer zwölf Monate nach ihrem Erstgespräch rauchfrei.  

Alltag umprogrammieren

Plötzlich keine Zigarette mehr nach dem Essen, in den Arbeitspausen, an der Bushaltestelle, im Ausgang, beim Telefonieren: Wer aufhört zu rauchen, muss seinen Alltag neu programmieren. Die fehlenden Zigaretten reissen anfangs viele Löcher in den Tagesablauf, die es zu überbrücken oder zu umgehen gilt, um Rückfälle zu verhindern. Auch dabei helfen die Beraterinnen und Berater der Rauchstopplinie. Sie besprechen mit den Anrufenden, wie sie mit heiklen Situationen umgehen und das heftige Verlangen nach einer Zigarette in Schach halten können. «Wer sich zum Beispiel als Belohnung immer eine Zigarette angezündet hat, kann sich in diesen Momenten vergegenwärtigen, dass Zigaretten keine Belohnung, sondern in Wirklichkeit eine Bestrafung sind. Echte Belohnungen wären zum Beispiel ein Spaziergang, ein Bad oder Lesen», sagt Sabine Jenny. So müssen viele kleine Alltagssituationen neu eingeübt werden. Im Gespräch mit den Beraterinnen und Beratern können die Aufhörwilligen herausfinden, was ihnen guttut. Dazu gehört auch zu entscheiden, ob und welche Hilfsmittel wie Nikotinpflaster oder andere Medikamente sinnvoll sind und wie die Familie, der Freundeskreis oder die Kolleginnen und Kollegen sie beim Aufhören unterstützen können.  

Auch Misserfolge würdigen

Bei der Rauchstopplinie rufen viele Raucherinnen und Raucher an, die schon mehrmals vergeblich versucht haben, das Rauchen aufzugeben. «Auch diese Misserfolge werden bei uns gewürdigt, wie alles, was die Klientin oder der Klient getan hat und gegenwärtig tut, um von der Sucht loszukommen», sagt Sabine Jenny. Ein wichtiger Schritt: Denn wer sich Vorwürfe macht oder sich für einen Rückfall verurteilt, erzeugt Stress, der schliesslich nur wieder der Sucht zugute kommt. Sabine Jenny rät auch, gegen wehmütige Erinnerungen an das frühere Raucherleben nicht anzukämpfen: «Diese Gedanken soll man einfach zulassen und sich sagen: ‹Ja, früher hätte ich jetzt eine Zigarette geraucht. Das war damals halt so. Aber jetzt bin ich an einem anderen Punkt.›»  

Kostengünstig und professionell

Die seit 2005 von der Krebsliga Schweiz in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgemeinschaft Tabakprävention angebotene Rauchstoppberatung ist für die Anrufenden unabhängig von der Form und Häufigkeit der Beratung kostenlos – abgesehen von den Telefongebühren von 8 Rappen pro Minute (Festnetz). Wenn ein Rückruf vereinbart wird, entstehen für die Ratsuchenden gar keine Kosten. Die Rauchstopphilfe wird in 9 Sprachen unter zum Teil verschiedenen Nummern angeboten (siehe Box). Die Beraterinnen und Berater, die 2014 nahezu 3400 professionelle Gespräche durchgeführt haben, verfügen über eine Grundausbildung im Sozial- oder Pflegebereich oder über ein Psychologiestudium und haben zusätzlich eine gründliche Schulung in Rauchstoppberatung absolviert. Finanziert wird die Rauchstopplinie durch den Tabakpräventionsfonds.

Rauchstoppberatung in 9 Sprachen

Von Montag bis Freitag, 11 bis 19 Uhr  

0848 000 181: Deutsch/Französisch/Italienisch, auf Wunsch auch in Englisch

0848 183 183: Albanisch

0848 184 184: Portugiesisch

0848 185 185: Spanisch

0848 186 186: Serbisch/Kroatisch/Bosnisch

0848 187 187: Türkisch

SmokeFree-Kampagne propagiert Rauchstopplinie

Zum Auftakt der SmokeFree-Kampagne stand die Rauchstopplinie im Zentrum der Kommunikationsbemühungen. Dies hat sich in den Anrufzahlen bei der Rauchstopplinie gezeigt: Die Anzahl der durchgeführten Gespräche ist während der Kampagnenwelle deutlich gestiegen: Im Vergleich zur Woche vor dem Kampagnenstart haben während der Kampagne rund 2- bis 3-mal so viele Beratungsgespräche stattgefunden.

Kontakt

Kontakt: Sabine Jenny,
Krebsliga Schweiz,
sabine.jenny@krebsliga.ch

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