01.05.2011 Allen Kindern und Jugendlichen die gleiche Chance geben

Früherkennung und Frühintervention (F + F) in Schulen und Gemeinden. Die meisten Kinder und Jugendlichen der Schweiz sind gesund und meistern ihre Herausforderungen gut. Rund 10 bis 20% aller Jugendlichen sind jedoch gefährdet, gesundheitliche und soziale Probleme zu entwickeln (z.B. Sucht, Gewalt, soziale Ausgrenzung oder psychische Belastungen). Gemeinden und Schulen tun gut daran, sich frühzeitig mit solchen Situationen auseinanderzusetzen, um im Bedarfsfall über die notwendigen Strukturen und Vorgehensweisen zu verfügen, bevor die Probleme für die SchülerInnen oder die Schulen zu gross werden.

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TODO CHRISTIAN

Das Ziel von Früherkennung und Frühintervention: Kinder und Jugendliche überstehen schwierige Entwicklungsphasen ohne gesundheitlich Schaden zu nehmen, ohne ihre soziale Integration oder ihre weitere Entwicklung zu gefährden.
In der Regel schaffen es Kinder und Jugendliche ohne Weiteres, ihre Schwierigkeiten zu lösen. Sei es allein oder mit Hilfe ihres sozialen Umfelds. Doch eine nicht klar bezifferbare Anzahl von Kindern und Jugendlichen fallen durch die Maschen der sozialen Netze und geraten unter Umständen in eine Abwärtsspirale. Damit diesen Heranwachsenden geholfen werden kann und damit die Chancengleichheit erhöht ist, brauchen Gemeinden und Schulen eine Kultur und ein System des Hinschauens und Unterstützens, und zwar im eigenen Interesse. Denn personenbezogene Probleme und Verhaltensweisen führen häufig zu Herausforderungen und Folgebelastungen für diese Systeme. Hinschauen und Unterstützen sind die zentralen Punkte des Konzepts der Früherkennung und Frühintervention (F + F). Es ist als integriertes Konzept zu verstehen, denn beide Handlungsbereiche sind aufeinander angewiesen und müssen somit als Einheit gesehen werden. Ohne die Erkennung eines Problems kann keine Intervention erfolgen. Umgekehrt macht es kaum Sinn, irgendwelche Belastungen und ungünstigen Verläufe frühzeitig zu erkennen, wenn den Betroffenen keine adäquate Unterstützung angeboten werden kann.

Erfolgreiche F + F erfordert ein systematisches Vorgehen
Das Ziel von F + F ist, gefährdete Menschen rechtzeitig wahrzunehmen und zu unterstützen, um passende Hilfestellungen zu finden und ihnen eine gesunde Entwicklung zu ermöglichen. Die Förderung des Individuums steht dabei im Zentrum. Um das zu erreichen, braucht es eine settingorientierte Arbeit. Also eine Arbeit in den Settings Schule und Gemeinde mit den dort aktiven Personen und Fachstellen, die mit Kindern und Jugendlichen zu tun haben. Dazu gehören Vereine, Jugendarbeit, Behörden, Lehrpersonen und Schulleitung sowie Fachstellen in den Bereichen Prävention, Beratung oder Therapie.
In beiden Settings bedarf eine erfolgreiche F + F gewisser Elemente und Schritte. Diese sind im Rahmen eines Projektes zu definieren. Aufbauend auf einem formulierten Auftrag, einer definierten Projektleitung und Projektgruppe, gilt es, Wissen zu vermitteln und alle Beteiligten für frühe Symptome zu sensibilisieren. Zudem muss eine gemeinsame Haltung entwickelt werden. Hier geht es beispielsweise um die Frage, wie mit problematischem Verhalten umgegangen werden kann. Weiter müssen gemeinsame Ziele und Umgangsregeln entwickelt werden. Schliesslich geht es auf der Umsetzungsebene um die Definition von Aufgaben, Abläufen und Zuständigkeiten der verschiedenen Beteiligten und Betroffenen. Der Kern von F + F-Ansätzen ist der aus dem Projekt entstandene Interventionsleitfaden resp. Handlungsplan, in welchem die Abläufe, Kompetenzen und Schnittstellen verbindlich aufgezeigt werden.

F + F-Programme in Schulen und Gemeinden
Seit 2006 setzt RADIX – das Schweizer Kompetenzzentrum für Gesundheitsförderung und Prävention – im Auftrag des Bundesamts für Gesundheit (BAG) F + F-Programme in Schulen und Gemeinden um. In der Deutschschweiz und der Romandie konnten bisher 57 Schulen und 36 Gemeinden erreicht und vielfältige Erfahrungen gesammelt werden. Rückblickend wird deutlich, dass in puncto Strukturen, Prozessen und Ergebnissen jedes Projekt anders ist. Dies ist bedingt durch die unterschiedlichen Ausganglagen, Probleme und Bedürfnisse.
Parallel zum laufenden Programm «Intervention précoce dans le champ de la formation (2010–2012)» in der Romandie ist RADIX im März 2011 mit zwei neuen, dreijährigen F + F-Programmen für Gemeinden und Schulen gestartet. In den nächsten drei Jahren steht nicht die möglichst grosse Anzahl von Umsetzungen im Vordergrund, sondern die Neu- und Weiterentwicklung von Grundlagen und Arbeitsmitteln, die Dokumentation von «Good Practice»-Modellen sowie die Multiplikation des Wissens. Dabei sollen die Erfahrungen der letzten Jahre gebündelt, praxis- und umsetzungsnah aufbereitet und weiteren Interessierten zugänglich gemacht werden. Insgesamt können bis zu neun Gemeinden und neun Schulen an den Programmen teilnehmen. Die Umsetzung erfolgt zusammen mit RADIX und wird vor Ort durch eine lokale oder kantonale Fachstelle begleitet. RADIX stellt diese Kontakte her. Gemeinden und Schulen können ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten entsprechend in das Programm einsteigen. Ein Programmeinstieg ist – solange Platz ist – bis ca.
Mitte 2013 möglich.

Die teilnehmenden Gemeinden und Schulen profitieren von folgenden kostenlosen Angeboten:
– Nutzung aller Grundlagen und Instrumentarien von RADIX sowie der bisher gemachten Erfahrungen.
– Teilnahme am jährlichen Erfahrungsaustausch für teilnehmende Gemeinden und Schulen.
– Teilnahme am jährlichen Erfahrungsaustausch für die begleitenden Fachpersonen der teilnehmenden Gemeinden und Schulen.
– Reduzierter Tarif für die Teilnahme an den F + F-Tagungen von RADIX.

Erwartungen an die teilnehmenden Gemeinden und Schulen:
– Entwicklung und Einführung von F + F gemäss den Rahmenvorgaben von RADIX.
– Kooperation mit einer Fachstelle (in der Regel übernehmen die Fachstellen die Begleitung im Rahmen ihres Präventionsauftrages).
– Teilnahme an Erfahrungsaustauschtreffen.
– Dokumentation ihrer Arbeit für die Multiplikation (www.radix.ch).

F + F ist eine Investition in die Zukunft der Kinder und Jugendlichen, aber auch der Schulen und Gemeinden selbst und trägt zur Chancengleichheit der gefährdeten Kinder und Jugendlichen in der Schweiz bei. F + F ist eine aktive, gezielte und nachhaltige Form der Prävention, die dazu auffordert, selbstkritisch die Effektivität der Strukturen, Prozesse und Kooperationen in der eigenen Institution zu beleuchten und nach Bedarf anzupassen.

RADIX

entwickelt und realisiert Angebote zur Gesundheitsförderung und Prävention für die Praxis. Dabei wird eng mit Bund, Kantonen, Gemeinden und Schulen sowie mit zahlreichen Fachorganisationen zusammengearbeitet. Ein Schwerpunkt ist die Früherkennung und Frühintervention. Weitere Informationen zu den Programmen: Carlo Fabian, Leiter RADIX Nordwestschweiz und Leiter Gesunde Gemeinde, fabian@radix.ch

Informationen zum Programm «Intervention précoce  dans le champ de la formation (2010–2012)»: Gaël Pannatier, pannatier@radix.ch, oder Marie-Claire Rey-Baeriswyl, Marie-Claire.Rey-Baeriswyl@hef-ts.ch

Publikation:
Früherkennung und Frühintervention in Schulen. Lessons learned. Fabian, Carlo und Müller, Caroline (2010).
Bern: RADIX

Bestellung unter: www.radix.ch/f-f.

Kontakt

Pia Oetiker, Sektion Drogen, pia.oetiker@bag.admin.ch

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