01.05.2011 Bei der Spendefrage ist nur Schweigen falsch

Transplantationskampagne 2011. Die Bevölkerungsinformation zu Transplantation und Spende von Organen, Geweben und Zellen des Bundesamts für Gesundheit geht in eine neue Phase. Ziel der Kampagne 2011 ist, dass sich die Menschen mit diesem Thema auseinandersetzen, sich für oder gegen eine Spende entscheiden und diesen Willen mündlich und schriftlich äussern – auch wenn sie dagegen sind.

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TODO CHRISTIAN

«Soll ich im Todesfall meine Organe, Zellen und mein Gewebe spenden?» Ob man diese Frage mit Ja oder Nein beantwortet, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass man sich entscheidet und diese Entscheidung mitteilt, sei es mündlich im Familienkreis oder schriftlich auf der Spendekarte. Diese Willensäusserung kann den Angehörigen in einer ohnehin schon belastenden Situation eine schwere Entscheidung ersparen.

Alle haben Recht: Sie äussern ihren Willen
Es gibt eine Fülle von Beweggründen, weshalb man für eine Spende sein kann. Es gibt aber auch viele Gründe, die gegen eine Spende sprechen. Jeder und jede hat eine ganz persönliche Meinung und einen guten Grund, sich für oder gegen eine Spende zu entscheiden. Viele Menschen, die gegen eine Spende sind, scheuen sich aber vor einer entsprechenden Willensäusserung, weil sie nicht der vermeintlichen moralischen Vorstellung entspricht. Hier hakt die neue Kampagne ein. Unter dem Slogan «Alle haben Recht: Sie äussern ihren Willen» lässt sie Nichtspender genauso zu Wort kommen wie Spender. Jede Meinung ist also richtig, Hauptsache: sie wird geäussert.

Klare Informationen für einen fundierten Entscheid
Die TV- und Online-Kampagne wird von umfassenden Informationen rund um die Organ-, Gewebe- und Zellspende begleitet. Offenbar werden immer noch viele Menschen durch diffuse oder gar falsche Vorstellungen von einer Willensäusserung abgehalten. Mit einer neuen Broschüre mit integrierter Spendekarte und der Website www.transplantinfo.ch sollen diese Lücken geschlossen werden und die Menschen zu einem gut informierten Entscheid gelangen. Neben den bisherigen Inhalten werden auch neue, aktuelle Informationen aufgenommen und verständlich präsentiert. So wird beispielsweise der konkrete Ablauf einer Organspende praxisnah dargestellt oder die für eine Organspende notwendigen vorbereitenden medizinischen Massnahmen beschrieben. Man erfährt mehr darüber, wer überhaupt zu einer Organspenderin oder zu einem Organspender wird und was ein Non Heart Beating Donor ist. Auch wissen viele nicht, dass neben Organen auch Zellen und Gewebe gespendet werden und dass auch Menschen bis ins hohe Alter als Spender in Frage kommen. Auf der Spendekarte kann man detailliert ankreuzen, ob und was man spenden will oder wer im Todesfall darüber entscheiden soll. Das Ausfüllen einer Spendekarte hat keinen Eintrag in irgendein offizielles Register zur Folge und der Entscheid kann jederzeit geändert werden.

Spitäler und Hausärzte helfen mit
Mit der Unterstützung der Organspendeverantwortlichen in den Spitälern sowie der Hausärztinnen und Hausärzte in der Schweiz soll die Information zum Thema Organ-, Gewebe- und Zellspende auch an den Stellen intensiviert werden, wo Fragen häufig direkt gestellt werden. Spitäler sowie Hausärztinnen und Hausärzte können dafür beim BAG Informationsmaterialien und Spendekarten beziehen, die sie bei Interesse abgeben können.

Forschung zum interkulturellen Übersetzen

Die Publikation «Sprachliche Brücken zur Genesung. Übersetzen im interkulturellen Gesundheitswesen der Schweiz» beleuchtet das interkulturelle Übersetzen aus qualitativer, rechtlicher und wirtschaftlicher Sicht. Sie resümiert wesentliche Erkenntnisse zum Thema und zeigt, in welchem Forschungskontext diese eingebettet sind. Die Publikation basiert auf zehn Expertenberichten und rund sechzig Artikeln aus Zeitschriften oder Sammelbänden, die bis anhin in der Schweiz zum Thema «Interkulturelle Verständigung im Gesundheitswesen» entstanden sind.
Die Publikation ist auf Deutsch und Französisch via www.miges.admin.ch erhältlich.

Links

Kontakt

Karin Wäfler, Verantwortliche Bevölkerungs­information, Sektion Transplantation und Fortpflanzungsmedizin, karin.waefler@bag.admin.ch

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