06.11.2019 Darf man das einer 14-Jährigen zumuten?

Forum. Anna Troelsen, Kauffrau, ist Mitglied des Betroffenenrates der Rheumaliga und des Betroffenenrates des BAG im Bereich Selbstmanagement-Förderung.

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Die Frage, wie stark man Kinder und Jugendliche bei medizinischen Fragen einbeziehen bzw. entscheiden lassen soll, finde ich sehr schwierig zu beantworten. Bei mir wurde mit 14 Jahren eine Skoliose diagnostiziert, was zu einer Korsett-Therapie führte. Auch eine Operation stand zur Diskussion. Kurze Zeit später erfuhren wir, dass ich zusätzlich an einer juvenilen Arthritis leide, weshalb ich diverse Medikamente einnehmen musste. Ich litt ständig an Nebenwirkungen und wollte die Medikamente absetzen, was aus medizinischer Sicht allerdings nicht sinnvoll war, da die Entzündungen womöglich zu Gelenkschäden geführt hätten. Wie reagiert man da als Eltern? Auf der einen Seite war ich mit meinen 14 Jahren sehr reif, aufgeklärt und wusste, was ich wollte und welche Konsequenzen das hatte. Und trotzdem war es schwierig, einzuschätzen, wie bewusst solche Konsequenzen einer 14-Jährigen überhaupt sein können. Des Weiteren stellt sich für mich die Frage der Zumutbarkeit. Darf man einer 14-Jährigen überhaupt zumuten, selber darüber zu entscheiden, ob sie Medikamente mit unangenehmen Nebenwirkungen absetzen und allfällige Gelenkschäden in Kauf nehmen kann? Ist das nicht zu viel Belastung, zu viel Druck, gerade in einer sonst schon nicht einfachen Zeit wie der Pubertät?

Ich wurde in jede Entscheidung miteinbezogen. Sowohl meine Ärzte als auch meine Therapeuten legten grossen Wert darauf, dass ich verstand, was meine Diagnosen genau bedeuten und welche Auswirkungen meine Krankheiten haben. Folglich war ich über meine Krankheitsbilder stets aufgeklärt und verstand, oft sogar besser als meine Eltern, was Sache war.

Allerdings musste ich mit 16 Jahren feststellen, dass es auch anders geht. Da meine Skoliose immer ausgeprägter wurde, war eine Operation unumgänglich, was uns allen bewusst war. Allerdings war es aus medizinischer Sicht auch kein Problem, bis zur Beendigung meiner Schulzeit abzuwarten. Mein Fall wurde vom Kinderspital der Erwachsenenabteilung übergeben und der neu behandelnde Arzt war der Überzeugung, man müsse sofort operieren. Wie gesagt, war dies medizinisch gesehen zwar nötig, allerdings stellte ein Abwarten von zwei Jahren kein Risiko dar. Obwohl ich dem Arzt mitteilte, dass für mich aktuell keine Operation infrage käme, und dies auch gut begründen konnte, bat er mich, das Besprechungszimmer zu verlassen, und klärte meine Eltern darüber auf, wie unumgänglich diese Operation zu diesem Zeitpunkt sei. Für uns war das eine ganz neue Erfahrung, dass plötzlich nicht mehr ich über mich entscheiden sollte, sondern meine Eltern und der Arzt. Das Resultat war, dass wir eine Zweitmeinung einholten, die meinen Entscheid, abzuwarten, bestätigte.

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Anna Troelsen

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