01.05.2011 Die Schule leistet einen wichtigen Beitrag zu Public Sexual Health

Sexualpädagogik. Aus der Wirkungsforschung ist bekannt, dass HIV-Prävention vor allem dann wirkt, wenn sie in eine umfassende Sexualerziehung eingebunden ist. Die Bereitschaft und Fähigkeit, sich und andere vor sexuell übertragbaren Krankheiten zu schützen, sind eng an das Wissen und die Einstellungen zur Sexualität gekoppelt. Die Schule nimmt dabei eine wichtige Stellung ein.

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Mit dem Nationalen Programm HIV und andere sexuell übertragbare Infektionen 2011–2017 legt der Bundesrat die Strategie zur Prävention dieser Krankheiten vor. Der Schwerpunkt der Präventionsanstrengungen liegt nach wie vor bei den vulnerablen Gruppen. Aber auch die Allgemeinbevölkerung ist eine wichtige Zielgruppe der Prävention und Gesundheitsförderung. Damit das in der Schweiz gute Schutzverhalten aufrechterhalten werden kann, ist die Bildungsarbeit bei der heranwachsenden Generation eine zentrale Aufgabe.

Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule
Die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz PHZ hat vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) 2006 den Auftrag erhalten, das Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule aufzubauen. Ziel des Kompetenzzentrums ist es, alle Kinder und Jugendlichen in der Schweiz durch den Schulunterricht altersadäquat zu sexueller und reproduktiver Gesundheit zu befähigen und über Sexualität, HIV/Aids und andere sexuell übertragbare Infektionen zu informieren. Mit diesem Ziel verbinden sich folgenden Aufgaben:
– Die Einwicklung einheitlicher Grundlagen für Sexualpädagogik für die verschiedenen Stufen der Volksschule und für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen.
– Die Entwicklung und Implementierung der für die Aus- und Weiterbildung von Lehrpersonen zugrunde liegenden Curricula.
– Die Ausarbeitung von Empfehlungen für stufengerechte und altersadäquate Lehrpläne.
– Der Aufbau einer nationalen Informations- und Dokumentationsplattform didaktischer Materialien und Angebote für den Unterricht (www.amorix.ch).

Sexualerziehung ist Sache der Eltern und der Schule
Gewisse Bevölkerungskreise wehren sich dagegen, dass sich der Bund in der Sexualerziehung und Sexualpädagogik engagiert. Sie werfen der Schule und den Behörden vor, sich in die Erziehung der Eltern einzumischen. Wichtige gesellschaftliche Aufgaben können jedoch nicht nur einem Teil der Gesellschaft übertragen werden. So ist die sexuelle Gesundheit der Bevölkerung (Public Sexual Health) ein Thema, zu dem sowohl Individuen als auch (auf mikrosozialer Ebene) Paare, Familien, Peer Groups und Schulen sowie (auf makrosozialer Ebene) die Gesellschaft und deren staatliche Instanzen ihren Beitrag leisten können und sollen.
Eltern und Schule haben gegenüber den Heranwachsenden die wichtigsten Sozialisierungsaufgaben – auch im Bereich der Sexualität. Wenn eine oder beide dieser Sozialisierungsinstanzen ihre Aufgabe nicht wahrnehmen, überlassen sie das Feld den «heimlichen Erziehern», die sich der demokratischen Kontrolle entziehen. Wichtig ist das Zusammenspiel beider Instanzen. Eltern übermitteln dabei ihre persönlichen, kulturellen und religiösen Werte als Basis für das künftige Leben. Damit Heranwachsende auch in der Öffentlichkeit bestehen und sich als Teil der öffentlichen Gemeinschaft verstehen können, müssen Schulen und staatliche Stellen ebenfalls ihren Beitrag leisten. Im Gegensatz zu den Eltern müssen sie sich dabei auf nationale und supranationale Übereinkünfte (z.B. Menschenrechte) sowie auf den neusten Stand der
Wissenschaft abstützen und sich der demokratischen Kontrolle unterziehen.

Unterstützung für Schulen
Damit die Schule diesen Auftrag wahrnehmen kann, muss das Thema Sexualität im Lehrplan verankert sein. Schülerinnen und Schüler haben ein Recht darauf, aktuelles Wissen zu Sexualität sowie zu sexueller Gesundheit zu erhalten, bestehendes Recht in Bezug auf Sexualität für Jugendliche und Erwachsene zu kennen sowie über Unterstützungsmöglichkeiten und Beratungsstellen informiert zu sein. Hierfür braucht es entsprechend ausgebildete Lehrpersonen sowie eine gute Unterstützung der Schulen durch spezialisierte Fachstellen. Das Kompetenzzentrum Sexualpädagogik und Schule setzt sich dafür ein, dass die Pädagogischen Hochschulen und die Schulen in der Schweiz befähigt werden, ihren Beitrag an Public Sexual Health zu leisten, damit unsere Kinder und Jugendlichen eine sorgfältige, altersadäquate und kompetent vermittelte Sexualerziehung erhalten.

Kontakt

Martin Werner, Sektion Prävention und Promotion, martin.werner@bag.admin.ch

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