26.02.2020 Erhöhte Transparenz führt zu mehr Qualität und mehr Sicherheit

Leitartikel. Das BAG setzt sich seit Jahren für mehr Qualität im Schweizer Gesundheitswesen ein. Mit der neuen gesetzlichen Grundlage (Teilrevision KGV) beginnt nun eine Phase mit einem Fokus auf mehr Koordination und erhöhten Transparenzanforderungen. Zudem fokussiert der Bundesrat im Rahmen seiner gesundheitspolitischen Prioritäten (Gesundheit2020) auf die Reduktion von Healthcare-assoziierten Infektionen und die Wirksamkeit von Antibiotika.

Bildstrecke Erhöhte Transparenz führt zu mehr Qualität und mehr Sicherheit

TODO CHRISTIAN

Bildstrecke Erhöhte Transparenz führt zu mehr Qualität und mehr Sicherheit

TODO CHRISTIAN
Bildstrecke

Die Schweiz verfügt über eines der besten Gesundheitssysteme in Europa. Die Menschen geniessen eine hohe Lebenserwartung und profitieren von effizienten Behandlungen. Trotzdem gibt es in puncto Qualität noch einiges aufzuholen. Zu viele Patientinnen und Patienten erleiden in Schweizer Spitälern unerwünschte Ereignisse, zum Beispiel die Gabe der falschen Dosis eines Medikaments. Viele solcher Ereignisse verlaufen harmlos, aber manche tödlich. Mehr Qualität im Gesundheitswesen senkt die Anzahl solcher Ereignisse und damit die Kosten. Das BAG setzt sich seit Jahren für mehr Qualität ein.

Aktuell laufen viele Arbeiten im Bereich Qualität. Grundlage für diese Arbeiten bildet die Teilrevision des Krankenversicherungsgesetzes (KVG) zur Stärkung von Qualität und Wirtschaftlichkeit, die im Juni 2019 vom Parlament verabschiedet wurde und dessen Verordnungen im Verlaufe von 2020 erarbeitet werden. Die Teilrevision regelt wichtige Punkte: 4-Jahres-Ziele, eine neue Qualitätskommission sowie Qualitätsverträge.

4-Jahres-Ziele
Nach Anhörung der interessierten Organisationen legt der Bundesrat die Ziele im Hinblick auf die Sicherung und Förderung der Qualität fest. Diese Ziele werden alle vier Jahre neu festgelegt.

Qualitätskommission
Das Gesetz schreibt die Schaffung einer neuen Eidgenössischen Qualitätskommission vor, die den Bundesrat bei der Förderung der Qualität unterstützen wird. In dieser Kommission sind die Kantone, die Leistungserbringer (z. B. Ärzte oder Spitäler), die Krankenversicherer wie auch Patientenorganisationen vertreten. Die Kommission kann Dritte damit beauftragen, neue Qualitätsindikatoren zu entwickeln sowie Studien und Programme zur Qualitätsentwicklung durchzuführen. Finanziert wird die Kommission je zu einem Drittel vom Bund, von den Kantonen und von den Versicherern.

Qualitätsverträge
Zudem regelt das Gesetz die Einführung von Qualitätsverträgen, die neu zwischen den Leistungserbringern und den Krankenversicherern ausgehandelt werden müssen. Die Qualitätsverträge gelten gesamtschweizerisch und regeln zum Beispiel, wie in Zukunft die Qualität gemessen werden soll, welche Massnahmen es braucht, um die Qualität zu verbessern, wie die Massnahmen überwacht werden und welche Sanktionen ausgesprochen werden, wenn die Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Ziel dieser Gesetzesrevision ist eine Stärkung der Strukturen sowie der Organisationen und der Finanzierung.

Resistente Keime
Ein anderer Bereich, in dem das BAG für mehr Qualität sorgen will, umfasst die Antibiotikaresistenzen. Hier kommt bereits seit 2016 eine andere Strategie zum Tragen: die Strategie Antibiotikaresistenzen Schweiz (StAR). Die Massnahmen dieser Strategie verfolgen unter anderem das Ziel, die Ausbreitung derartiger Keime im Spital zu verhindern. Im Fokus stehen hier vor allem drei Massnahmen:
Verschreibungsrichtlinien zum Gebrauch von Antibiotika, Stewardship-Programme für die systematische Überprüfung von Verschreibungen von antimikrobiellen Substanzen sowie Richtlinien zur Prävention und Kontrolle von Healthcare-assoziierten Ausbrüchen mit multiresistenten E­rregern.

Neben der Strategie StAR verfolgt auch die Strategie NOSO das Ziel, die Patientensicherheit im Schweizer Gesundheitswesen zu verbessern. Denn rund 6 Prozent der Patientinnen und Patienten erleiden eine Spitalinfektion (Healthcare-assoziierte Infektion, HAI). Das Globalziel der Strategie NOSO ist daher die Reduktion der Spitalinfektionen und die Verhinderung der Ausbreitung potenziell gefährlicher Erreger in der stationären Versorgung. Mit dieser Strategie schaffen der Bund und die zahlreichen Umsetzungspartner gemeinsam die notwendigen Grundlagen und Instrumente, um HAI zu überwachen, zu verhüten und zu bekämpfen.

Gegen HAI wurde in der Vergangenheit schon viel unternommen. Was aber gefehlt hat, sind eine landesweite Überwachung der epidemiologischen Situation sowie allgemein gültige, wissenschaftliche Standards zur Verhütung und Bekämpfung von HAI. Aktuell werden solche strukturellen Mindestanforderungen für Schweizer Akutspitäler erarbeitet. Eine weitere zukünftige Massnahme ist der Aufbau eines nationalen Überwachungssystems für HAI. Diese Überwachung wird in Form von Modulen entwickelt und mindestens die Überwachung von katheterassoziierten Bakteriämien (CLABSI) und katheterassoziierten Harnwegsinfektionen (CAUTI) beinhalten.

Links

Kontakt

Carlo Tschudi
Sektion Qualität und Prozesse


Margaux Bovet
Sektion Infektionskontrolle und Impfprogramme

Nach oben