06.11.2019 Früherkennung und Frühintervention bei problematischem Alkoholkonsum von älteren Menschen

Neue Studie. Ist Alkohol im Alter ein Thema in der Alterspflege? Ja, aber keines mit Priorität. Mitarbeitende von Spitex sowie von Alters- und Pflegeheimen sehen Alkohol und Medikamente im Alter als zunehmendes Problem. Sie wissen allerdings kaum, wie damit umgehen. Sie müssen sensibilisiert und geschult werden, so die StudienautorInnen.

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TODO CHRISTIAN

Sieben Prozent der Männer und sechs Prozent der Frauen über 65 trinken regelmässig zu viel Alkohol – das sind mehr als in anderen Alterskategorien. Mit übermässigem Alkoholkonsum beeinträchtigen die Seniorinnen und Senioren ihre Gesundheit. Ein weiterer häufiger Risikofaktor sind eingenommene Medikamente, die nicht mit Alkohol kombiniert werden sollten. Hinschauen und handeln – also Früherkennung und Frühintervention – lautet die Devise, auch bei der älteren Bevölkerung.

Früherkennung und Frühintervention wenig verbreitet
Nun zeigt allerdings eine neue Studie: Im Umfeld von älteren Personen sind Früherkennung und Frühintervention wenig verbreitet und kaum verankert. Die StudienautorInnen haben ExpertInnen sowie Pflegedienstleitende aus Institutionen der Alterspflege befragt. Die Gespräche zeigten: Mitarbeitende der Institutionen kennen die Instrumente zur Früherkennung und die Verfahren der Frühintervention oft nicht. Alkohol im Alter ist eher bei bestehender Abhängigkeit ein Thema, allerdings eines unter vielen anderen wie Demenz oder Schmerzmanagement. Die knappen Ressourcen fordern von den Institutionen, Prioritäten zu setzen. Alkohol im Alter gehört eher selten dazu.

Zudem zeigt die Studie: Das Spannungsfeld zwischen Fürsorgepflicht und der Selbstbestimmung der älteren Menschen ist Dauerthema im Pflegealltag. Die Pflegenden kennen die Auswirkungen von problematischem Alkoholkonsum. Sie wissen, dass weniger Alkohol den Schaden mindern und die Lebensqualität der Betroffenen steigern würde. Gleichzeitig wollen sie den Seniorinnen und Senioren nicht vorschreiben, wie diese ihr Leben gestalten sollen.
«Früherkennung und Frühintervention bedeuten weder Gängelung noch Bevormundung», betont eine Studienautorin. «Sie sind ein Angebot, mit älteren Menschen zu Themen wie Gesundheit, Vermeidung von Begleiterkrankungen und Förderung von Lebensqualität ins Gespräch zu kommen».

Was empfehlen die StudienautorInnen?
Personen, die mit älteren Menschen arbeiten, sollen besser für Früherkennung und Frühintervention sensibilisiert und geschult werden. Als Hauptmassnahmen empfehlen die StudienautorInnen
•    niederschwellige Schulungsmodule in ärztlichen Qualitätszirkeln, für Spitex-Mitarbeitende und HauswirtschafterInnen;
•    ein integriertes Konzept für Früherkennung und Frühintervention in Alters- und Pflegeheimen;
•    ein Fortbildungsmodul für Pflegende und Leitungen in bestehenden Ausbildungsgängen von Bildungsinstitutionen.

Zur Studie FFF – Fit für Früherkennung und Frühintervention bei problematischem Alkoholkonsum von älteren Menschen

Kontakt

David Hess-Klein
Sektion Gesundheitsförderung und Prävention

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