21.01.2020 «Wir fokussieren uns auf die Gesundheit im Schulalltag»

5 Fragen an. Cornelia Conrad Zschaber, Leiterin «Gesunde Schulen» bei der Schweizerischen Gesundheitsstiftung Radix, über gesundes und ausgewogenes Essen an Mittagstischen und die Gesundheit von Lehrpersonen. Radix stärkt seit mehr als 20 Jahren die schulorientierte Gesundheitsförderung. Insgesamt nutzen mehr als 3500 Schulen und Kindergärten die Angebote.

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1     Was bezweckt Radix mit seinem Fachbereich «Gesunde Schulen»?  

Wir möchten den Schulalltag sicher und anregend gestalten, damit sich Lernende und Lehrende wohlfühlen. In enger Zusammenarbeit mit Bund, Kantonen und Fachorganisationen unterstützen wir Schulen, die sich mit Gesundheitsförderung und nachhaltiger Entwicklung beschäftigen und einen Beitrag zur Bildung der Gesundheitskompetenz und zur Bewältigung von gesundheitlichen Problemen leisten wollen. Wir fokussieren uns auf die Gesundheit im Schulalltag, also auf Themen wie Stress, Mobbing, Bewegung oder Ernährung – und holen die Menschen mit unseren Projekten in ihren Lebenswelten ab.

2     Wie sehen die Projekte von Radix konkret aus? 

Unsere Angebote orientieren sich an den Prinzipien der Partizipation, des Empowerments und der Nachhaltigkeit. Wir streben immer eine nationale Umsetzung der Projekte an, die wir aber jeweils kantonal verankern. Dabei stülpen wir nicht eine einzige Lösung über alles, sondern lassen den Kantonen und Schulen bewusst einen grossen Gestaltungsspielraum, damit sie unsere Angebote an die Bedürfnisse und den Bedarf vor Ort anpassen können. Wir setzen uns insbesondere für die Gesundheit der Lehrpersonen ein. Es ist uns ein Anliegen, dass die Lehrpersonen bei Problemen nicht auf sich allein gestellt sind, sondern von der Schulleitung und auch von den Behörden getragen werden. Deshalb haben wir gemeinsam mit weiteren Akteuren aus dem Bildungswesen das Argumentarium «Gesundheit stärkt Bildung» entwickelt.

Gleichzeitig stellen wir in Zusammenarbeit mit Gesundheitsförderung Schweiz das Angebot «Schule handelt – Stressprävention am Arbeitsort» zur Verfügung. Damit kann jede Schule erheben, wo die Belastungen liegen, aber auch welche Ressourcen sie mobilisieren könnte. Dieses Angebot ermöglicht den Verantwortlichen vor Ort, gemeinsam mit den Mitarbeitenden passgenaue Massnahmen zur Stärkung der Gesundheit von Lehrpersonen, Schulleitungen und weiteren Mitarbeitenden zu entwickeln. Und diese Massnahmen mithilfe von Beratungspersonen, die den gesamten Qualitätsprozess begleiten, auch umzusetzen.

3     Sie beschäftigen sich auch mit dem Thema Ernährung. Wo liegt das Problem bei den Mittagstischen?  

Wir haben festgestellt, dass das Angebot der Mittagstische oft nicht den Schweizer Empfehlungen für eine gesunde Ernährung entsprach. Das Mittagessen soll genussvoll, ausgewogen und nachhaltig sein und in einer entspannten Atmosphäre stattfinden, damit Kinder und Jugendliche Energie für Körper und Geist tanken können. Deshalb haben wir im Auftrag des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen einen Leitfaden für betreute Mittagstische erstellt. Unser Leitfaden schlägt praxisnahe Qualitätsstandards vor – und zwar nicht nur im Hinblick darauf, was auf den Teller kommt, sondern auch im Hinblick auf pädagogische Fragen, etwa welche Tischregeln gelten sollen. Mit Checklisten können die Mitarbeitenden beispielsweise überprüfen, ob die Tischkultur an den von ihnen betreuten Mittagstischen pädagogisch sinnvoll ist – und welche Tischregeln sie eventuell überarbeiten oder neu einführen möchten.

4     Welches Angebot von Radix macht Ihnen besonders Freude? 

Alle Angebote haben ihre Faszination. «Purzelbaum» ist ein sehr gutes Beispiel für eine erfolgreiche Multiplikation. Das Projekt stammt ursprünglich aus dem Kanton Basel-Stadt. Es fördert den natürlichen Bewegungsdrang von Kindern und sorgt – etwa mit bewegten Unterrichtssequenzen oder im Freispiel an der Kletterwand – dafür, dass sie nicht allzu lang still sitzen müssen. Das Projekt bildet Lehrpersonen weiter und liefert Ideen und Anregungen für eine vielseitige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung und ressourcenstärkende Angebote im Alltag von Primarschulen, Kindergärten sowie Kindertagesstätten und Spielgruppen. Heute wird «Purzelbaum» dank Radix in 23 Kantonen umgesetzt – und ermöglicht rund 70 000 Kindern und Jugendlichen in der Schweiz, sich jeden Tag mehr zu bewegen. Wir unterstützen die Kantone bei der professionellen Durchführung und langfristigen Verankerung dieses Konzepts. Wir bieten Coachings an und sichern die Qualität, auch indem wir jährliche Treffen organisieren, an denen sich die Projektleitenden über ihre Erfahrungen und ihr Wissen austauschen und Inhalte weiterentwickeln können.

5    Wo sehen Sie die grösste Herausforderung in Ihrer Arbeit?  

Wir stellen hochwertige Angebote zur Verfügung und möchten, dass die Verantwortlichen vor Ort unsere Angebote nicht einfach 1:1 übernehmen, sondern damit arbeiten, Teile davon verwerfen, andere an ihre Bedürfnisse anpassen und Neues hinzufügen. Wir sind darauf angewiesen, dass sich die Verantwortlichen vertieft mit unseren Angeboten auseinandersetzen und sich auf sie einlassen. Dazu braucht es Bereitschaft und Ressourcen aller Beteiligten. Aber nur so kann eine nachhaltige Wirkung erzielt werden. 

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Kontakt

Cornelia Conrad Zschaber
Leiterin Radix Gesunde Schulen, Luzern

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