26.02.2020 Mit Teamarbeit die Patientensicherheit erhöhen

Forum. Als der Verband der Waadtländer Spitäler (Fédération des hôpitaux vaudois, FHV) im Jahre 2015 die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter befragte, in welchem Prozentsatz der Situationen sie eine Handhygiene anwenden, lag der Durchschnittswert der Antworten bei 86 %. Wenn geschulte Beobachter diese Rate bewerteten, lag der Wert bei 62 %. Diese Kluft zwischen wahrgenommener und gemessener Compliance der Handhygiene musste Fragen aufwerfen.

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Der FHV hat sich entschieden, diese Herausforderung anzunehmen und die Situation zu verbessern, basierend auf den Methoden der «Implementation Science» sowie der «Breakthrough Collaboratives». Dies ist ein organisierter und multimodaler Ansatz zur Qualitätsverbesserung, der Teams aus verschiedenen Institutionen zusammenbringt, Methoden, Ideen und Daten zu einem bestimmten Thema anwendet und miteinander teilt.

Das erste Ziel des FHV bestand darin, unerwünschte Arzneimittel­wirkungen um 20 % zu reduzieren. Es bestand in der Umsetzung eines Portfolios von Massnahmen in vier Bereichen: korrekte Patientenidentifikation, Medikamentenvorbereitung, Management von Hochrisiko­medikamenten und Patienteneinbezug. Die Ergebnisse wurden mit dem Instrument «Médicamenteux» gemessen, einem beschleunigten Überprüfungsverfahren zur Verfolgung unerwünschter Ereignisse. In Institutionen, die eine 12-monatige Nachprojektphase akzeptierten, wurde der Anteil der Patienten mit unerwünschten Arzneimittelereignissen um 61 % reduziert.

Das zweite Ziel bestand darin, die Compliance der Handhygiene von 62 % auf 85 % zu erhöhen, basierend auf der multimodalen Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese Strategie umfasst fünf Interventionsbereiche: Zugang zur alkoholischen Lösung erleichtern, Fachkräfte schulen, Einhaltung von Vorschriften messen, Erinnerungen und Anreize am Behandlungsort sowie Kultur und Leadership. Die Ergebnisse wurden von Beobachtern gemessen. Die Compliance-Rate stieg innerhalb von 18 Monaten von 62 % auf 88 %. Zwei Jahre nach dem Projekt lag sie immer noch bei 88 %.

Das dritte Ziel bestand darin, die Anzahl von im Spital erworbenen Dekubiti (Wundliegen, Druckgeschwür) um 50 % zu reduzieren; mithilfe einer 6-Punkte-Strategie: Erhöhung des Dekubitus-Risikoscreenings, systematische Anwendung von Präventionsmassnahmen für Risikopatienten, Mitarbeiter schulen, Leistung messen und melden, Patientenbeteiligung stärken und Leadership entwickeln. In 18 Monaten wurde die Rate von neuen Dekubituspatienten von 4,6 auf 2,3 pro 1000 Krankenhaustage vermindert – eine Reduktion von 50 %.

Die oben genannten Projekte zeigen, dass bestehende Praktiken verbessert werden können. Es braucht jedoch eine Veränderung der Gewohnheiten und die Umsetzung eines Ansatzes, der eine Vielfalt von Interventionsmassnahmen kombiniert, wobei die Messung und Berichterstattung der Ergebnisse im Mittelpunkt steht.

Kontakt

Anthony Staines
Qualitätsbeauftragter des Waadtländer Spitalverbandes

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