01.05.2011 Nationaler Telefondolmetschdienst hat Betrieb aufgenommen

Migration und Gesundheit. Während im Gesundheitsbereich bei heiklen Kommunikationssituationen eine persönlich anwesende Übersetzerin nötig ist, hat sich Telefondolmetschen in vielen Fällen als geeignete und effiziente Ergänzung erwiesen. Seit dem 1. April 2011 ist der nationale Telefondolmetschdienst (TDD) in Betrieb.

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Ein Ziel des Nationalen Programms Migration und Gesundheit besteht darin, das interkulturelle Übersetzen im Gesundheitsbereich zu fördern. Denn für das gesundheitliche Handeln ist es entscheidend, zu verstehen und verstanden zu werden. Neben dem persönlichen Übersetzen steht dem Gesundheitswesen (Spitäler, Kliniken, Ambulatorien, Hausarztpraxen, Pflegeheime, Gesundheitsdienste der Gefängnisse etc.) neu auch ein nationaler Telefondolmetschdienst (TDD) zur Verfügung.

Unterstützung in dringlichen Situationen
Interkulturelles Übersetzen unterscheidet sich vom herkömmlichen Dolmetschen darin, dass bei Bedarf auch eine kulturelle Übersetzungsleistung erbracht wird, etwa indem die am Gespräch Beteiligten auf unterschiedliche Wahrnehmungen, Wertvorstellungen und Bedeutungen aufmerksam gemacht werden. Der TDD bietet sich vor allem dann an, wenn es sich um eine dringliche, unvorhersehbare Situation handelt und der/die Dolmetschende nicht innert nützlicher Frist vor Ort sein kann. Bei komplexen Sachverhalten und bei planbaren, längeren Gesprächen ist die persönliche Anwesenheit der dolmetschenden Person jedoch nach wie vor vorzuziehen.

BAG-Finanzierung bis 2013
Der nationale TDD ist seit dem 1. April 2011 in Betrieb. Er wurde vom Übersetzungsdienst AOZ Medios aufgebaut, der damit sein Dolmetschangebot erweitert und neu mit etablierten Vermittlungsstellen in der Deutschschweiz, der Romandie und im Tessin zusammenarbeitet. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) finanziert diese Dienstleistung bis Ende 2013. Anschliessend muss sie selbsttragend sein. Je nach Entwicklung der Nachfrage wird das Sprachangebot national und regional ergänzt. Für die Deutschschweiz steht bereits jetzt ein breiteres Sprachangebot zur Verfügung. Neben dem TDD fördert und finanziert das BAG auch die Ausbildung und Zertifizierung von interkulturellen Übersetzern und Übersetzerinnen und ein für die Qualitätssicherung und Öffentlichkeitsarbeit zuständiges nationales Kompetenzzentrum.

200 000 Fremdsprachige in der Schweiz
Zurzeit leben in der Schweiz etwa 200 000 Personen, die weder eine Landessprache noch Englisch verstehen. Zudem gibt es eine nicht zu unterschätzende Anzahl Migranten und Migrantinnen, die zwar ein Alltagsgespräch bewältigen können, aber bei komplizierteren Erläuterungen zu Gesundheitsfragen sprachliche Unterstützung benötigen. Verständigungsschwierigkeiten können die medizinische Betreuung behindern oder gar den therapeutischen Erfolg verunmöglichen. Bei der Behandlung und Prävention von Krankheiten oder Unfällen spielen vertrauensvolle und differenzierte Gespräche jedoch eine zentrale Rolle. Wenn diese Gespräche auch mit Migranten und Migrantinnen gelingen sollen, sind interkulturelle Übersetzer oder Übersetzerinnen oft unerlässlich.

Telefondolmetschdienst 0842 442 442 Betriebszeiten:

täglich, rund um die Uhr
Ausgangssprachen: Deutsch, Französisch, Italienisch
Dolmetschsprachen: Albanisch, Arabisch, Italienisch, Kurdisch, Portugiesisch, Russisch, Serbisch-Kroatisch-Bosnisch, Somalisch, Spanisch, Tamilisch, Tigrinya, Türkisch
Kosten: 4.00 CHF/Min. ab erfolgreich hergestellter Verbindung mit einem/r Telefondolmetschenden.
Weitere Nutzungs-Infos: Um den nationalen Telefondolmetschdienst nutzen zu können, ist eine Registrierung mittels Anmeldeformular erforderlich. Weitere Informationen dazu finden Sie unter www.aoz.ch/medios

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Kontakt

Michèle Baehler, Projektleiterin interkulturelles Übersetzen, Nationales Programm Migration und Gesundheit, michele.baehler@bag.admin.ch

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