26.02.2020 Qualitätsbericht des BAG: mehr Daten, mehr Transparenz

Empfehlung. Der nationale Qualitätsbericht des BAG zeigt auf, dass die Qualität der medizinischen Versorgung in der Schweiz ver­bessert werden muss. Die Hälfte der rund zehn Prozent der unerwünschten medizinischen Zwischenfälle während eines Spital­aufenthalts wäre vermeidbar. Aber vor allem fehlen die Daten, um die Qualität in der Versorgung zu messen.

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Die Verbesserung der Qualität des Gesundheitswesens und die Förderung der Patientensicherheit gehören zu den wichtigsten Zielen der gesundheitspolitischen Agenda  Gesundheit2020 des Bundesrats. Basis für die Verbesserung sowie die Weiterentwicklung ist die Qualitätsmessung und -verbesserung. Der im November 2019 veröffentlichte nationale Bericht zur Qualität und Patientensicherheit im schweizerischen Gesundheitswesen liefert erstmals eine schweizweite Datengrundlage. Die seit dem Jahr 2000 zusammengetragenen Daten zur Beurteilung von Qualität und Patientensicherheit zeigen auf, wo der Handlungsbedarf am grössten ist. Der Qualitätsbericht liefert auch gleich konkrete Empfehlungen für Verbesserungen im schweizerischen Gesundheitswesen. Dank des kooperativen Ansatzes werden die Empfehlungen des Berichtes von den beteiligten Personen mitgetragen. So ist der Qualitätsbericht das Ergebnis der Zusammenarbeit namhafter Experten und Organisationen in der Schweiz. Er wurde im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit erstellt und stützt sich auf 26 Kurzberichte, welche die wichtigsten Schweizer Akteure aus dem Bereich Versorgungsqualität erarbeitet haben. Somit konnte auf ein breites Spektrum an Fachwissen und Erfahrung zurückgegriffen werden.

Qualitätsindikatoren sind Mangelware
Der Bericht zeigt, dass im komplexen, dezentral organisierten Schweizer Gesundheitssystem die Bereitstellung von Informationen zur Verbesserung der Qualität der medizinischen Versorgung dringend notwendig ist. Der Bericht kommt zum Schluss, dass ein Mangel an verwertbaren und zugänglichen Informationen vorliegt, die für die Überprüfung der Behandlungsstandards und die Wirkung der getroffenen Gesundheitsmassnahmen dringend erforderlich sind. Dadurch sind die nötigen Fortschritte zur Erhöhung der Gesundheitsversorgung und für die Förderung der Patientensicherheit behindert. Transparenz über die Qualität ist gefragt. Dazu müssen Qualitäts- und Sicherheitsindikatoren entwickelt werden, die für die ganze Schweiz gelten.

Ansatz mit Modellcharakter
Ein hervorragendes Beispiel für eine rigorose, systematische Datenerhebung von relevanten Qualitäts- und Sicherheitsindikatoren und ein beeindruckendes Engagement für Transparenz und öffentliche Berichterstattung ist die Erhebung von Swissnoso zu postoperativen Wundinfektionen. Sie ist Teil der Indikatoren des Nationalen Vereins für Qualitätsentwicklung in Spitälern und Kliniken (ANQ). Der Ansatz kann als Modell für die Entwicklung und Veröffentlichung einer umfassenden Palette aussagekräftiger Qualitäts- und Sicherheitsindikatoren im schweizerischen Gesundheitssystem dienen.

Handlungsbedarf in der Medikation
Beispielsweise zeigt der umfassende Überblick über die verfügbaren Informationen zum Umgang mit Heilmitteln und Medikationssicherheit der Stiftung Patientensicherheit Schweiz, dass gerade in der Medikation grosser Handlungsbedarf besteht. Bisher gibt es kein nationales Programm zur Medikationssicherheit und die Vorschriften sind in den einzelnen Kantonen unterschiedlich. So wird die Einführung eines systematischen Medikationsabgleichs bei Spitaleintritt derzeit nur in einem Schweizer Spital durchgeführt. Geplante Massnahmen zur Verbesserung der Sicherheit der Medikation sind computergestützte Verschreibungssysteme und standardisierte Medikationsabläufe. Als Beispiel dazu hat Swissmedic eine Arbeitsgruppe mit Patienten- und Konsumentenorganisationen als Plattform für den Informationsaustausch eingerichtet. In einigen Regionen in der Schweiz wurde zudem die sogenannte «Smarter Medicine»-Kampagne lanciert, die Massnahmen und Interventionen zur Optimierung von medikamentösen Behandlungen fördert und unnötige medizinische Tests, Behandlungen und Verfahren verhindern soll.

Konkrete Empfehlungen
Der Katalog von Empfehlungen des Berichts richtet sich aber an alle Akteure des schweizerischen Gesundheitssystems. Im gesamten Gesundheitssektor ist ein Umdenken gefragt. Es braucht eine Kultur, in der Fehler offen angesprochen, transparent gemeldet und systematisch erfasst werden. Dazu bedarf es der Erarbeitung weiterer nationaler Qualitätsprogramme. Voraussetzung für den Erfolg aller Massnahmen sind eine gute Basisinfrastruktur, angemessene Ressourcen sowie eine effiziente Führung. Gefordert wird auch eine verstärkte Ausbildung des Gesundheitspersonals. So war die Schweiz beispielsweise Pionierin in der Entwicklung von Schulungen zur Teamarbeit in der Chirurgie. Eine Implementierung im grösseren Rahmen ist gewünscht. Darüber hinaus sind Patientinnen und Patienten für die Risiken eines medizinischen Eingriffs besser zu sensibilisieren. Sie und auch die betreuenden Angehörigen sind grundsätzlich stärker einzubeziehen. 

Die bisherigen Qualitätsindikatoren

Hierzulande gibt es nur wenige gesamtschweizerische Indikatoren. Diese konzentrieren sich hauptsächlich auf die Spitäler und die Akutsomatik. Das vom BAG gewählte Konzept der Qualitätsindikatoren beinhaltet Angaben zu den Behandlungen in den Schweizer Spitälern. Ausgewiesen werden Fallzahlen (z. B. Anzahl stationäre Behandlungen wegen Lungenkrebs), Anteilswerte (z. B. Kaiserschnittrate in Bezug auf alle stationären Geburten), die Mortalität bei bestimmten Krankheitsbildern und Eingriffen (z. B. Mortalität aller Herzinfarktpatienten über 19 Jahre) sowie ausgewählte Aufenthaltsdauer (z. B. Durchschnitt in Tagen bei Patienten mit entfernten Gaumenmandeln, ohne Tumorfälle). Die Qualitätsindikatoren liefern Hinweise auf die Qualität in den einzelnen Spitälern. Vergleiche erfordern die nötige Sorgfalt, damit vermieden wird, dass Spitäler mit ungleichem Versorgungsauftrag verglichen werden. Ein direktes Spitalranking lässt sich folglich nicht erstellen.

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