12.02.2020 Selbstmanagement bei betreuenden Angehörigen fördern

Selbstmanagement-Förderung. Das grosse Engagement betreuender Angehöriger ist für die Gesundheitsversorgung in der Schweiz unverzichtbar. Damit betreuende Angehörige sich für ihre Nächsten engagieren können, müssen ihre persönlichen Ressourcen und Belastungen möglichst im Gleichgewicht stehen. Die Selbstmanagement- Förderung kann dabei helfen. Sie sensibilisiert betreuende Angehörige dafür, auf dieses Gleichgewicht zu achten und befähigt sie, externe Ressourcen gezielt zu nutzen und dadurch Belastungen abzubauen.

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TODO CHRISTIAN

Betreuende Angehörige sind für eine hochwertige Versorgung von Personen, die aufgrund von Alter, Krankheit oder Behinderung auf Betreuung oder Pflege angewiesen sind, von grosser Bedeutung. Es sind Menschen aller Altersgruppen, denen es zu verdanken ist, dass Ältere oder Kranke so lange wie möglich zu Hause leben können. Dies ist oft der Wunsch der Hilfsbedürftigen und wird vielfach auch von den betreuenden Angehörigen positiv gesehen. Die Betreuungssituationen sind dabei vielfältig: Die Unterstützung umfasst beispielsweise die Betreuung des Partners mit Demenz, der hochbetagten Mutter oder des Kindes mit einer chronischen Krankheit. Auch bezüglich der Betreuungsdauer können die Situationen sehr unterschiedlich sein: Manchmal beansprucht sie einige Stunden pro Woche, in anderen Fällen umfasst das Engagement mehr als ein 100-Prozent-Pensum. Angehörige leisten für die ihnen nahestehenden Menschen eine wertvolle Unterstützung im Alltag - sei es im Haushalt oder bei der Begleitung zu Terminen – und machen Mut und schenken Wertschätzung.

Ressourcen stärken – Belastungen abbauen
Betreuende Angehörige erleben ihr Engagement subjektiv ganz unterschiedlich. Die persönliche Wahrnehmung wird unter anderem dadurch beeinflusst, in welchem Verhältnis Belastungen und Ressourcen stehen. Besteht ein Ungleichgewicht, bei dem die Belastungen schwerer wiegen als die Ressourcen, kann langfristig eine Überlastung drohen. Es ist wichtig, Ressourcen und Belastungen von Anfang an Beachtung zu schenken und im Gleichgewicht zu halten, damit betreuende Angehörige sich solange engagieren können, wie sie dies möchten. Um betreuende Angehörige bei der Erhaltung eines guten Gleichgewichts zu unterstützen, können einerseits Belastungen durch Entlastungsangebote abgebaut werden, andererseits können ihre Ressourcen gestärkt werden. Die Selbstmanagement-Förderung kombiniert beide Ansätze: Einerseits sensibilisiert sie betreuende Angehörige dafür, auf ihre Ressourcen und Belastung zu achten und andererseits befähigt sie gleichzeitig, externe Ressourcen – wie z.B. einen Entlastungsdienst zu nutzen und so Belastungen abzubauen. Dank der Förderung des Selbstmanagements können betreuende Angehörige besser mit den Veränderungen und Herausforderungen in ihrem Leben, die mit Ihrem Engagement als betreuende/r Angehörige/r eingehergehen, bewältigen. Es fördert das Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit und unterstützt betreuende Angehörige dabei, ihre Ressourcen aktiv und selbstbewusst zu stärken. Sie lernen die Auswirkungen der Betreuung besser einzuschätzen, beispielsweise in Bezug auf die Familie, den Beruf oder die Finanzen.

Ansätze der Selbstmanagement-Förderung
Es gibt verschiedene Ansätze, wie das Selbstmanagement betreuender Angehöriger gefördert werden kann: Bei der selbst initiierten gemeinschaftlichen Selbsthilfe kommen beispielsweise Angehörige mit ähnlichen Problemen oder in ähnlichen Situationen zusammen Diese Art von Selbsthilfe bietet psychosoziale Entlastung, praktische Alltagstipps und einen Raum, in dem man sich verstanden fühlt, ohne sich erklären zu müssen. Einen anderen Ansatz für die Förderung des Selbstmanagements bilden Trainings- und Schulungsprogramme, in denen betreuende Angehörige alltagsnah und praxisorientiert lernen, mit ihrer Situation umzugehen. Im Schulungsprogramm „AEMMA“ erlernen Angehörige von Menschen mit Demenz in verschiedenen Modulen praktische Strategien, wie sie Stresssituationen bewältigen können, um nicht überlastet zu werden. Die Erfahrungen haben gezeigt, dass sich dieses Training positiv auf die Situation der betreuenden Angehörigen und auch auf die Beziehung zur betreuten Person auswirkt. Während die gemeinschaftliche Selbsthilfe und Trainingsprogramme eher darauf abzielen, sich mit der eigenen Rolle und der Situation auseinanderzusetzen, gibt es auch Ansätze, die sich den organisatorischen Fragen der Angehörigenbetreuung widmen. Darunter fallen Apps, die das Organisieren des Alltags erleichtern sollen. Ein Beispiel dafür ist das Pilotprojekt „we+care“ von Pro Aidants. Die App unterstützt betreuende Angehörige dabei, die eigenen Bedürfnisse und den Bedarf abzuklären, sowie Betreuungspläne zu erstellen und regionale Anbieter zu finden. Sie soll es den betreuenden Angehörigen ermöglichen, ein Betreuungsnetzwerk aufzubauen und sie somit zu entlasten.

Bestehende Angebote für betreuende Angehörige öffnen
Durch diese Ansätze können betreuende Angehörige bei ihrem wertvollen Engagement für die Gesundheitsversorgung unterstützt werden. Doch auch wenn bereits Angebote für die Selbstmanagement-Förderung bei betreuenden Angehörigen existieren, gibt es weiterhin einiges zu tun. So sind beispielsweise Finanzierungsfragen noch nicht gelöst und es braucht mehr Koordination, damit betreuende Angehörige einen besseren Überblick über die verschiedenen Angebote haben. Weiter sollen die bereits guten Formate für die Zielgruppe der betreuenden Angehörigen geöffnet oder auf sie zugeschnitten werden. Schliesslich sollen Fachpersonen aus dem Gesundheits- und Sozialbereich den betreuenden Angehörigen auf Augenhöhe begegnen. Werden betreuende Angehörige beispielsweise von den Pflegefachpersonen in der Tagesstruktur, die die nahestehende Person  besucht, als Expertinnen und Experten ihrer Situation wahrgenommen und in Entscheide einbezogen, erleben sie sich als kompetent und gehen ihre Aufgabe gestärkt an.
Investitionen in die Selbstmanagement-Förderung bei betreuenden Angehörigen lohnen sich somit: Betreuend Angehörige bleiben gesund und können sich – wenn sie dies wünschen – für ihre Nahestehend engagieren.

Das Förderprogramm des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) verfolgt das Ziel, die Situation und die Bedürfnisse von betreuenden Angehörigen besser zu verstehen, um Unterstützungs- und Entlastungsangebote bedarfsgerecht weiterzuentwickeln. Wenn immer möglich, sollen betreuende Angehörige ihre Erwerbstätigkeit weiterführen können. Mit Hilfe von Forschungsmandaten und der Dokumentation von Modellen guter Praxis werden Wissensgrundlagen geschaffen, sowie Orientierungshilfen für mehr Unterstützung für betreuende in der Arbeits- und Bildungswelt. Ebenso Planungsgrundlagen für Kantone, Städte und Gemeinden für die Weiterentwicklung bedarfsgerechter Strukturen. Die Selbstmanagement-Förderung wurde als ein Modell guter Praxis dokumentiert. 

Das ausführliche Porträt zur Selbstmanagement-Förderung finden Sie hier: Programmteil 2 „Modelle guter Praxis“

Alle weiteren Informationen zum Förderprogramm sind auf unserer Website zu finden: www.bag.admin.ch/betreuende-angehoerige

Kontakt

Facia Marta Gamez
Sektion Nationale Gesundheitspolitik

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