06.11.2019 Widersprüchliche Informationen aufgrund fehlender Koordination

Forschung. Die Ärztin sagt «A», der Apotheker «B» und die Pflege­fachperson sagt «C». Wenn sich Gesundheitsfachpersonen widersprechen, sind Kranke verunsichert. Zwei Forschungsprojekte des Förderprogramms «Interprofessionalität im Gesundheitswesen» untersuchen, wie sich die Zu­sammenarbeit patientenzentriert weiterentwickeln lässt.

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Umfragen belegen, dass etwa jede sechste erwachsene Person in den letzten zwei Jahren unvereinbare Informationen von verschiedenen Gesundheitsfachpersonen erhalten hat. Solche widersprüchlichen Einschätzungen – etwa hinsichtlich der Diagnose, der Therapieentscheide oder der Verhaltensempfehlungen – verunsichern und verwirren die Patientinnen und Patienten. Oft führen sie zum vorzeitigen Abbruch einer Behandlung und einem entsprechend ungünstigen Resultat.

Im Förderprogramm «Interprofessionalität im Gesundheitswesen» des Bundesamtes für Gesundheit erarbeiten verschiedene Forschungsprojekte praxisnahe Wissensgrundlagen zur Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Berufsgruppen. Zwei dieser Projekte beziehen explizit die Sicht der Patientinnen und Patienten ein und fragen nach deren Nutzen aus einer gut funktionierenden interprofessionellen Zusammenarbeit.

An der Universität Genf interessiert sich ein Forschungsteam unter der Leitung von Marie-Paule Schneider Voirol für chronisch ­erkrankte Personen, die von verschiedenen Spezialisten behandelt werden und bei denen deshalb ­sowohl der Koordinationsbedarf wie auch die Gefahr für Widersprüche erhöht ist. Mittels Fragebögen sind die Forschenden daran, systematisch zu erheben, welches die häufigsten Widersprüche sind und ­­wie die Kranken damit umgehen. Aus diesen Erkenntnissen ­wird das Forschungsteam dann Empfehlungen ab­leiten.

Am Winterthurer Institut für Gesundheitsökonomie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften befragt ein Forschungsteam schweiz­­weit verschiedene Patientenberatungsstellen über den Stellenwert von widersprüchlichen Einschätzungen. Die am Projekt beteiligte wissenschaftliche Mitarbeiterin Irene Kobler sagt: «Unsere Umfrage hat ­gezeigt, dass gegensätzliche Einschätzungen ein grosses Thema sind. Am häufigsten scheinen sich Hausarzt und Facharzt zu widersprechen.» Auch dieses Projekt steckt noch in der Phase der Datensammlung. Die Resultate und konkrete Empfehlungen werden im nächsten Jahr vorliegen.

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Cinzia Zeltner
Sektion Weiterentwicklung Gesundheitsberufe

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