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Qualitätssteigerung durch eHealth: Traum oder Realität?

Ausgabe Nr. 94
Sep. 2012
Digitalisierung im Gesundheitswesen

eHealth. Die «Strategie eHealth Schweiz» soll mehr Sicherheit und mehr Qualität ins Schweizer Gesundheitswesen bringen, indem sie alle relevanten Akteure und deren IT-Systeme miteinander vernetzt und es ermöglicht, jederzeit auf die gerade benötigten Gesundheitsdaten zuzugreifen. Für die Patientinnen und Patienten heisst dies kurz und bündig: «Meine Gesundheitsinfos. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Die Mobilität der Menschen nimmt ständig zu – sie wechseln den Kanton, die Krankenkasse, den Arzt oder reisen ins Ausland. Dies führt in Behandlungssituationen oft dazu, dass Gesundheitsinformationen fehlen oder erst zusammengesucht werden müssen. Die elektronische Vernetzung kann wesentlich helfen, im entscheidenden Moment die richtigen Informationen verfügbar zu haben. Unter dem Begriff «eHealth» werden verschiedenste elektronische Dienste im Gesundheitswesen zusammengefasst. Elektronische Hilfsmittel unterstützen Abläufe und Kommunikation und vernetzen die Akteure – Patientinnen und Patienten, Ärztinnen und Ärzte, Therapeutinnen und Therapeuten, Versicherungen, Labors, Apotheken, Spitäler und Pflegende usw.

«eHealth» verfolgt das Ziel, die Vielzahl der Akteure und deren IT-Systeme miteinander zu vernetzen und die Milliarden von Daten, die heute zum Teil auf Papier, zum Teil bereits elektronisch angelegt werden, langfristig im Behandlungsprozess nutzbar zu machen. Das organisationsübergreifende elektronische Patientendossier (s. Artikel Seite 5) soll dies in Zukunft ermöglichen. Die elektronische Prozessunterstützung aller Akteure in der Erfüllung ihrer Aufgaben ist ebenfalls ein Grundpfeiler von «eHealth». Mit diesen Mitteln soll mehr Sicherheit und Qualität im Gesundheitswesen geschaffen und sollen langfristig auch die Kosten stabilisiert werden. Für die Bürgerinnen und Bürger gilt die Aussage: «Meine Gesundheitsinfos. Zur richtigen Zeit am richtigen Ort.»

Potenziale für Qualitätssteigerung
Im Folgenden werden ein paar konkrete Beispiele genannt, die die Potenziale für Qualitätsverbesserungen aufzeigen. Dabei gilt es zu beachten, dass für die unterschiedlichen Akteure verschiedene Aspekte von Informationsaustausch andere Qualitätsmerkmale besitzen.

Eine höhere Informationsqualität mit gesicherten Informationen bedeutet für Patientinnen und Patienten mehr Selbstbestimmung und Mündigkeit. Mittels digitale Hilfsmittel wie Recherche im Internet oder Erfahrungsaustausch mit Leidensgenossen in entsprechenden Internetforen können sie ihre Behandlung mitsteuern. Durch die Freigabe ihrer in einem elektronischen Patientendossier gespeicherten Daten können ihre Behandelnden auf relevante medizinische Daten zugreifen. Der jeweilige Behandelnde hat somit die Möglichkeit, alle entscheidenden Informationen griff­bereit zu haben und die optimale Diagnose- oder Therapieentscheidung zu treffen.
Für die Behandelnden hingegen kann der erleichterte Informationsaustausch mit Kollegen eine wesentliche Verbesserung ihrer Arbeit bedeuten.

Perspektiven von Telehealth
«eHealth» kann genutzt werden, um zeitliche und örtliche Barrieren zu überwinden. Dies wird auch als Telehealth bezeichnet. So ermöglicht die Teleradiologie die Beurteilung von radiologischen Untersuchungen, ohne dass der Experte direkt vor Ort sitzen muss. Die Telemedizin hingegen erlaubt Vitalwert-messungen beim Patienten zu Hause, die direkt dem Behandelnden zur Verfügung stehen. So ist zum Beispiel eine frühere Entlassung des Patienten aus dem Spital möglich bei gleichzeitig guter Betreuung durch seinen Behandelnden.
In integrierten Versorgungsmodellen erlaubt «eHealth» eine bessere Koordination der Behandlung von chronischen Langzeitpatienten. Dabei unterstützen die elektronischen Hilfsmittel einerseits die interdisziplinäre Kommunikation und andererseits die Integration von Patienten und deren Angehörigen. Individuell angepasste Behandlungspläne können digital gesteuert und ausgewertet werden, zum Beispiel auch in der Palliativmedizin.

Die digitale Erfassung und Bereitstellung von medizinischen Daten kann organisations- und patientenübergreifend genutzt werden, um grössere Datensammlungen aufzubauen, etwa für Forschungszwecke. Die gesammelten und anonymisierten Daten können wesentliche Aufschlüsse geben für die Erkennung und den Verlauf von Infektionskrankheiten wie Masern, Grippe usw. Auch für die Untersuchung und Beurteilung von Volkskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen können digital erfasste Daten besser ausgewertet werden. Die evidenzbasierte Medizin kann ebenfalls von solchen Datenbanken profitieren.

Wer verfügt über die Gesundheitsdaten?
Hinsichtlich der Risiken von «eHealth» ist vor allem der Datenschutz zu nennen. Die Patientin, der Patient sollte jederzeit Herrin oder Herr über die eigenen Daten sein und aufgeklärt sein, wann welche Informationen wie benutzt werden. Dafür sind ausreichende organisatorische und technische Massnahmen vorzusehen. Darüber hinaus muss allen Akteuren bewusst sein, dass die technischen Möglichkeiten ihre Grenzen haben und auch ausfallen können. Das heisst, dass eine Minimalversorgung auch ohne «eHealth» gewährleistet werden muss.

Bessere Behandlungsqualität
Die konkrete Verbesserung der Behandlungsqualität durch optimale Informationsaufbereitung und optimalen Informationsaustausch ist unbestritten. Insbesondere wenn mehrere Akteure im Behandlungsprozess involviert sind, zeigt die heutige Realität von Telehealth und integrierter Versorgung bereits beachtliche Potenziale für Qualitätsverbesserungen durch «eHealth».

Kontakt

Sang-Il Kim, eHealth Suisse, sang-il.kim@e-health-suisse.ch

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